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Der jüdische Student · 1929-12-01 · Heft 10 (Dezember 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 10 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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es nicht mehr für zeitgemäß hält. Aber was es an ihre Stelle* setzen will, weiß es nicht. IV. Man soll sich nun nicht einbilden, diese Verworrenheit des jungen Kartells von heute auf morgen heilen zu können. Alle Versuche, mit Programmen und Proklamationen ohne Rücksicht auf die Realitäten über diese Schwierigkeiten hinwegzukommen, waren bisher vergeblich und werden es weiter sein. Es gibt für unseren Zustand keine Patentlösungen. Eine wirkliche Regeneration kann erst dann erfolgen, wenn das junge Kartell zur Erkenntnis und Gestaltung seiner selbst gelangt. Das kann noch Jahre, vielleicht noch viele Jahre dauern, und es nützt gar nichts, darauf zu erwidern, wir hätten nicht so lange Zeit. Wir haben sie, weil wir sie haben müssen. Das Kartell hat dreißig Jahre Wind und Wetter überstanden, und es ist nicht einzusehen, warum es nicht in hundert Jahren, wenn auch in anderer Gestalt, noch bestehen sollte. Selbst wenn die unbehagliche Stimmung im Kartell noch ein paar Jahre anhalten sollte, weil unsere jungen Menschen bis dahin noch nicht zu sich selbst gefunden haben, so haben wir keine Ursache, an der Zukunft des Kartells zu verzweifeln — vorausgesetzt, daß wir stark genug sind, den immer vorhandenen „Fermenten der Dekomposition" in unseren eigenen Reihen zu wehren. Zu erkennen, daß die unbefriedigende Lage des Kartells zeitgeschichtlich bedingt ist, dafür zu sorgen, daß die Organisation und die zionistische Zielsetzung des Kartells intakt bleibt, und zu verhüten, daß sie in einem plötzlichen Anfalle von Ungeduld und Unbehagen zerstört werden: das ist jetzt unsere Aufgabe! Aus dieser allgemeinen, im Grunde selbstverständlichen Zielsetzung, ergibt sich nun die Methode unserer praktischen Arbeit während der nächsten Jahre. Dabei handelt es sich um zweierlei: Einmal kommt es darauf an, alle Kräfte in den Dienst der Entwicklung und Gestaltung der seelischen und intellektuellen Eigentümlichkeiten des jungen Kartells zu stellen. Das junge Kartell muß lernen, sich trotz aller seiner Unausgeglichenheiten als Mittelpunkt des Gesamtkartells und als Träger seiner Entwicklung zu fühlen. Es schadet durchaus nicht, wenn dieses Gefühlsich bis zur Monomanie steigern sollte. Die Kartelltage, der J. St. und die Präsidialarbeit müssen auf eine nicht absehbare Zeit auf die Verfassung des jungen Kartells unter allen nur denkbaren Gesichtspunkten konzentriert sein. Das alte Kartell wird sich während dieser Zeit — mindestens nach außen — sehr stark zurückzuhalten haben, um auch den Anschein zu vermeiden, als wolle es dem jungen Kartell die Verantwortung abnehmen oder es kraft seiner größeren Zahl, Autorität, Erfahrung und Urteilsfähigkeit majorisieren. Es würde auch durchaus nicht schaden, wenn der Schwerpunkt des kommenden Präsidiums beim jungen Kartell läge — selbst wenn dann manches nicht so gemacht würde, wie es eigentlich gemacht werden sollte. Fehler, die dazu dienen, das junge Kartell bei der Herausarbeitung seines Typus zu fördern, sind niemals umsonst gemacht. Aber diese mehr negative Einstellung zum jungen Kartell genügt nicht. Hinzu kommen muß eine systematische, nicht durch ein schlechtes Ge- 8

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