Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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Nach dem Verlauf der Dinge in den letzten Wochen hat es sich eindeutig ergeben, daß das Präsidium nicht etwa jetzt nur von dem Vertrauen einer schwachen Majorität getragen wird, sondern daß alle bundesbrüderlichen Kreise, die auf dem Kartelltag hinter dem Präsidium standen, auch heute hinter uns stehen, und deswegen fühlen wir uns nach wie vor als legitime Leitung des Kartells, und werden unsere Arbeit für das Kartell unentwegt fortsetzen. Hätte eine beachtliche Minorität einen Kartelltag oder iÜmbesetzung des Präsidiums verlangt, dann hätten wir sofort das Notwendige von uns aus veranlaßt. Nach der eindeutigen Stellungnahme der überwiegenden Majorität der Bundesbrüder haben wir hierzu keine Veranlassung, und deswegen glauben wir, daß der Vergleich mit dem von Dir selbst beantragten Delegiertentag der Z. V. f. D. unzutreffend ist. Deine persönlichen Aeußerungen über Bbr. Lichtheim haben wir mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Wir müssen es uns versagen, darauf einzugehen, und glauben auch nicht, daß dafür eine Notwendigkeit besteht. Das Präsidium war von vornherein der Meinung, daß alle verantwortungsbewußten Bundesbrüder diese ganze jetzt hinter uns liegende Auseinandersetzung hätten vermeiden sollen, und deswegen hat uns nicht einmal an dem Beginn geschweige denn an der Fortsetzung dieses Wortgefechtes gelegen. Das Präsidium will nun gemeinsam mit allen Bundesbrüdern die Arbeit im Kartell und für das Kartell mit verstärkter Kraft fortsetzen. Wir glauben, daß wir unseren Bundesbrüdern in Palästina, die jetzt nicht nur für ihre eigene Existenz, sondern für die Existenz des Jischuw kämpfen, nicht ein unwürdiges Bild des Kartells bieten dürfen, indem wir uns in kleinlichen und persönlichen Kämpfen verlieren, und wir glauben, in dieser Ueberzeugung mit Dir und allen Bundesbrüdern einig zu sein. Mit bestem bundesbrüderlichem Gruß Das Präsidium des K. J. V. Dr. Robert Kaiz Ein grausames Schicksal hat einen unserer besten und fähigsten jungen Juden getroffen — unseren Robert Katz. Es ist unfaßbar, daß dieser lebenssprühende, rastlose, geist- und ideenreiche Mensch nicht mehr unter uns weilen soll. Seine Person, seine Rede, seine Arbeit waren so logisch, klar und eindrucksvoll, daß selten sich jemand seinem Einfluß bewußt oder unbewußt entziehen konnte, und lassen uns sein Bild unvergeßlich vor Augen treten. Das Leben war ihm nicht leicht gemacht. Nach glücklicher Jugend und Studentenzeit entriß ihm der Krieg seinen besten und treuesten Freund, dem er in innigster Liebe verbunden war, seinen Bruder Alfred. Dem Krieg aber folgten Jahre äußerst reichen Schaffens im ärztlichen Beruf, im Kreise der 40