Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Pardess des K. J. V. An das Präsidium des K. J. V. Berlin. Liebe Bundesbrüder! Einliegend übersende ich Ihnen eine Ausarbeitung, die ich im „J. St." zu veröffentlichen bitte. Ich bin natürlich jederzeit bereit, dem Präsidium ausführliche Einzelheiten mitzuteilen und hoffe, daß Sie meinen Vorschlag tatkräftig .fördern werden. Das Wirtschaftsleben wickelt sich allmählich wieder in gewohnter Weise ab. Die Hauptforderung ist heute Kolonisation in stärkerer Weise aufzunehmen. 15—20 Dunam Boden geben einem Arbeiter samt Familie das ganze Jahr hindurch ausreichende Existenzmöglichkeit; auch ist die Anlage von Privatkapital in Palästina in jeder Form sehr zu begrüßen. Eine derartige Pardeßanlage gibt natürlich auch vielen anderen Arbeitern, wie Monteuren, für die Maschinen und Pumpenanlagen, Installatoren, für die Bewässerungsanlage usw., Beschäftigung. Ich hoffe, daß das Präsidium des K. J. V. diese so sichere und für Palästina so wichtige Kapitalsanlage unterstützen wird, und würde mich freuen, dies schon aus den nächsten Sitzungsberichten ersehen zu können. Mit bundesbrüderlichem Gruße B. Shonfield. Vorschlag. Wenn Zionismus aufhört lediglich Gesinnung zu sein und Privatangelegenheit wird, so wird er realisiert sein. Das waren die Worte, die Dr. Ruppin bereits im Wiener Vorkriegs-Kongreß ausgesprochen hat. Zionismus war bis zum Kriege eine rein theoretische Angelegenheit, ein frommer Wunsch; nur vereinzelte Bundesbrüder fanden die Möglichkeit, ihr Privatleben mit Palästina zu verbinden. Nach der Kriegszeit jedoch haben sich die Verhältnisse wesentlich geändert. Einem Teil der Bundesbrüder gelang es, nach hartem, langem Kampf, seinen Lebensunterhalt in Palästina zu verdienen, und diesen ist Zionismus bereits zur Privatsache geworden. Die Zahl dieser Glücklichen ist jedoch eine sehr geringe. Man kann lediglich von einer Pioniergruppe sprechen. Um zu verstehen, warum der Prozentsatz der in Palästina lebenden Bundesbrüder ein so geringer ist, müssen wir uns die durch die Beschaffenheit des Landes gegebenen Möglichkeiten vor Augen halten. Palästina kann nur einer geringen Zahl von Akademikern Existenz bieten. Man muß aushalten und entbehren können, da man, besonders in der ersten Zeit, im besten FaHe 25—50 % des Lebensunterhaltes verdienen kann. Man muß daher für andere Einnahmequellen sorgen. Eine sichere iQuelle wären z. B. die Einnahmen aus einem Pardess, die nicht nur als Nebeneinnahme, sondern eventuell sogar als Hauptquelle dienen könnten. Es besteht die Möglichkeit, mit kleinen monatlichen Einzahlungen eines Pardess (Orangerie) zu erwerben. — 10 Dunam, die eine Investierung von £P 11—12 monatlich im Laufe von 5 Jahren erfordern, d. h. also £P 72 per Dunam, sind bereits eine gute Nebeneinnahme, die bei geringer Schätzung, zirka 100—175 Pfund, dem Alter der Orangerie entsprechend, jährlichen Reingewinn bieten können. 30