Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Verwundete, alle leicht. In Newe Schalom ungefähr dasselbe Bild, kleinere Vorpostengefechte. Abgesehen von der ungeheuren Nervenanspannung, dem Wacheschieben Tag und Nacht, der Aufregung über wirkliche Geschehnisse und falsche Latrinen, haf Tel-Awiw keinen großen Anteil genommen, was niemand weniger bedauert als ich. Ueber die Ereignisse im ganzen Land weiß ich nicht viel mehr als Ihr, d. h. durch die Presse und Augenzeugen. Die Folgen sind Euch auch bekannt: Militärischer Belagerungszustand, niemand darf nach 7 Uhr abends auf die Straße, gegenseitiger, völlig unsinniger Boykott in Lebensmitteln und Waren, Stagnation und Unsicherheit im Geschäftsleben, deutliche Anzeichen einer schwersten Krise. Mich interessieren hauptsächlich zwei Fragen: Selbstschutz und Verhältnis zu den Arabern. Trotz aller Forderungen ist es mir klar, daß ein legaler jüdischer Selbstschutz niemals genehmigt wird. Daß er notwendig ist, erübrigt sich zu diskutieren. .Also muß er auch1 weiter illegal ausgebaut werden, und alle Kreise der zionistischen Jugend müssen herangezogen werden. Dazu bedarf es großen Taktes in politischer Beziehung und großer Mittel. — In unserem - Verhältnis zu den Arabern muß sich vieles grundsätzlich ändern. Es genügt nicht, unsere Diedeuxialles dauernd in Redem zu verkünden, von denen die Massen niemals erfahren. Es ist ein Beweis mehr für die Unfähigkeit unserer leitenden Kreise, daß sich in der Palästina-Exekutive kein einziger maßgebender Mensch befindet, der arabisch spricht und mit den Landesverhältnissen vertraut ist; und dies trotz des Vorhandenseins einer großen Reihe bester Zionisten, die seit Generationen im Lande sitzen, die besten Beziehungen zu Arabern haben und mit ihrer Psychologie vollkommen vertraut sind. Ein großes arabisches Ressort muß geschaffen, arabische Zeitungen von uns gekauft und beeinflußt werden. Auf der anderen Seite fehlt ebenso unser englisches Sprachrohr, aus dem die Beamten- und anderen europäischen Kreise den zionistischen Standpunkt erfahren könnten. Bei aller Würdigung der hebräischen Sprache: in außenpolitischer Beziehung ist sie ein schwerstes Hemmnis. Es ist eine beschämende Tatsache, daß in den arabischen Volks¬ und Mittelschulen ein gutes Englisch gelernt wird, während das der jüdischen Schulen ungefähr den Stand des Französischen in den deutschen Gymnasien erreicht. So geht der Nachwuchs der unteren Regierungsbeamten automatisch in arabische Hände über. — Die Verständigung mit den Arabern ist notwendig und möglich, und wir haben das meiste dabei zu tun. Wir müssen an die grundverschiedenen Teile richtig herankommen. Die Lebensinteressen der Massen sind mit den unseren zu vereinigen, religiöse Sonderinteressen peinlichst zu berücksichtigen (wie auch umgekehrt), der natürliche Widerstand der Effendis und Muftis zu brechen. Ein großer Teil der hiesigen Intelligenz ist ohne Partei Verbindung organisiert und will durch sachliche Arbeit bei dem Aufbau Palästinas mitarbeiten. Sie werden zu dem bisher allein in Erscheinung getretenen Pfeiler der jüdischen Arbeiterschaft hinzufügen die Kräfte der alteingesessenen und der neu hinzugekommenen zionistischen Bürger Palästinas. Ueber diesen seit IV2 Jahren bestehenden und sich rasch entwickelnden Bund, an dem viele K. J. V.er sich führend beteiligen, will ich e|n anderes Mal referieren, wenn es Euch interessiert. 29