Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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haben (ökonomisch und kulturell). Allerdings muß dann z. B. aus unseren Zeitungen der Kampf gegen die arabische Arbeit verschwinden. (Es ist natürlich selbstverständlich, daß wir zuerst dafür zu sorgen haben, daß jüdische Arbeiter nicht arbeitslos sind.) Ich kann mir sogar vorstellen, daß man zu einem politischen Uebereinkommen kommen kann. Allerdings nicht etwa wie sich manche Leute einzubilden scheinen, auf dem Wege des Verzichtes auf die Balfour- Deklaration. Die Balfour-Deklaration mag heute ein Papierfetzen sein, aber sie ist die Rechtsgrundlage, die uns die Menschheit gegeben hat. Andererseits denkt ja doch niemand unter uns daran, die Araber aus Palästina zu vertreiben. (Es würde uns noch nicht einmal glücken.) Palästina wird immer nur ein binationaler Staat sein; vielleicht kann sich einmal ein Staatsgebilde daraus entwickeln, das in seiner Konstitution! der heutigen Schweiz gleicht. Die Balfour-Deklaration spricht nur von dem „Schutz" der anderen in Palästina lebenden Gemeinschaften. Da nun Schlagworte eine große Rolle bei politischen Verhandlungen bilden, halte ich es für nicht ausgeschlossen, daß man Verhandlungen auf der Basis eines Nationalheims für beide Völker führen kann. De facto muß ja das arabische Nationalheim nicht erst gegründet werden, sondern existiert schon. Wir würden dabei nichts verlieren, aber den arabischen Agitatoren den Vorwand wegnehmen, daß wir Palästina nur für uns haben wollen. Dementsprechend und auch aus Gründen der Sicherheit sollte unsere Kolonisationspolitik noch ausgeprägter wie bisher kantonal vor sich gehen. Es werden dann eben jüdische und arabische Kantone entstehen, die innere Selbstverwaltung haben werden. Land gibt es für beide Völker genug. Es würde zu weit führen, diese Gedankengänge im einzelnen hier zu entwickeln. Ueber eines sollen wir uns aber klar sein: Die Anstifter der Greueltaten der letzten Wochen sind für uns keine Kontrahenten, sondern Verbrecher, die ihrer verdienten Strafe zugeführt werden müssen. Lm heutigen Augenblick ist überhaupt an keine Verhandlungen zu denken; wir würden uns nicht nur eine gehörige Abfuhr zuziehen, sondern jedes Angebot unsererseits würde uns in der jetzigen Situation nur als Beweis unserer Schwäche ausgelegt werden. Verhandeln kann man ferner nur, wenn man selber stark ist und dem Kontrahenten etwas zu geben hat. Ich warne ausdrücklich davor, den Arabern im heutigen Stadium mit konkreten Verhandlungsvorschlägen zu kommen! Es wird noch eine lange Zeit dauern, bis die Araber überhaupt geneigt sein werden, sich mit uns an einen Tisch zu setzen. Wir müssen natürlich unser Möglichstes tun, durch praktische Arbeit, Aufklärung und direkten Nutzen, den wir den Arabern zukommen lassen, das Herannahen dieses Zeitpunktes zu beschleunigen. ,/ 27