Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Zurzeit müssen wir unser Hauptaugenmerk auf die Sicherung unseres Lebens und Eigentums richten. (Aber nicht darüber schreiben, siehe den leider in der „Rundschau" veröffentlichten Privatbrief der Frau unseres Bbr. Löwenstein.) Ferner müssen wir unbedingt eine Reorganisation der Polizei verlangen. Ich stelle mir die Sache so vor, daß in jüdischen Siedlungen jüdische Polizeiformationen, in arabischen arabische verwandt werden, die beide unter englischem Befehl stehen. Ferner sollten wir nicht nur Bestrafung der Mörder und Plünderer verlangen, sondern auch Inhaftierung der Agitatoren. (Von diesen ist noch keiner vor Gericht gestellt worden.) Wenn Beweise vorhanden sind und ich stelle mir vor, daß die englische Geheimpolizei sicher über solche verfügt, darf auch vor der Person des Mufti nicht Halt gemacht werden. Nur strengstes Einschreiten der Behörden kann meines Erachtens den palästinensischen Arabern zeigen, daß wir entschlossen sind, den Aufbau weiterzuführen und daß die Sympathien der zivilisierten Welt auf unserer Seite sind. Ferner glaube ich, daß die Verurteilung viele Araber dazu bringen wird, die Namen der Rädelsführer bekanntzugeben (Kronzeugen). Sicherlich wird auch die Auferlegung von Kollektivstrafen auf die beteiligten Dörfer einen heilsamen Einfluß haben; denn erst, wenn es an9 Zahlen geht, wird die Opposition gegen den Mufti, der sie ins Verderben geschickt hat, wachsen. Die guten Folgen der Auferlegung von Kollektivstrafen haben wir ja im Falle der Dörfer im Orangendistrikt gesehen, die im Angedenken an die einmal gezahlten Summen diesmal nicht mitgemacht haben. Also in keinem Falle Verzicht auf diese Straf maßnahmen aus humanitären Gründen! Was würdet Ihr in Deutschland sagen, wenn man auf die Bestrafung von Hakenkreuzlern und Friedhof sschändern verzichtet? Dies ist aber alles nur negativ. Wir müssen auch in positiver Weise auf eine Verständigung mit den Arabern hinarbeiten. In diesem Punkte hat die Zionistische Exekutive völlig versagt. (Wir müssen unbedingt ein Arabish Department bei der Exekutive, Herausgabe einer arabischen Zeitung usw. fordern.) Ich glaube, daß jeder vernünftige Mensch und nicht nur der Brith Schalom auf eine Verständigung mit den Arabern hinarbeitet. Gegen den Brith Schalom bin ich in erster Linie deswegen, weil durch seine bloße Existenz alle anderen Zionisten dahin abgestempelt werden, daß sie den Frieden nicht wollen. Wenn es auf der einen Seite unzulässig ist, daß der Brith Schalom die Friedensbestrebungen für sich alleine pachten will, so ist andererseits die politische Tätigkeit mancher seiner Mitglieder (nicht des Bundes als solchem) meines Erachtens außerordentlich gefährlich. Ich erinnere nur an Reiners Aufsatz in der „Jüdischen Rundschau", der in den Drahtziehern dieses blindwütigen Mordens einen geeigneten Verhandlungspartner erblickt. Ganz abgesehen von moralischen Erwägungen sind gerade diese Leute als Verhandlungspart ner untauglich, da wir ihnen nichts zu geben haben. Gerade diese Leute können ja nur vom der Feindschaft gegen uns existieren!* Andererseits bin ich fest davon überzeugt, daß es arabische Kontrahenten gibt, mit denen wir uns deshalb an einen Tisch setzen können, weil wir ihnen etwas zu geben 26