Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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Er machte mich darauf aufmerksam, daß das erste Opfer dort ein kürzlich zugezogener Rechtsanwalt war, und ist davon überzeugt, daß er auf Betreiben eines Konkurrenten ermordet wurde. (Früher gab es in Safed nur arabische Rechtsanwälte.) Erst als die Menge Blut sah, wurden diese primitiven Menschen wild und fingen mit dem Morden und Plündern an. (Die Steigerung der Angriffslust, sobald einmal Blut geflossen ist, konnte ich auch bei dem Ueberfall auf mich beobachten.) Wie wenig es den Angreifern wirklich um nationale Ziele zu tun war, zeigt ja deutlichst der Schauplatz der Mordtaten. Im großen und ganzen wurden fast keine wehrhaften zionistischen Siedlungen angegriffen, sondern die religiös leicht fanatisierbaren Massen gingen dort vor, wo ihnen das Morden und Plündern am leichtesten fiel! Es ist hier nicht der Platz, auf das Verhalten der Regierung einzugehen, das bei den Arabern den Eindruck erwecke« mußte: „il daula ma'ana" (die Regierung ist mit uns). Gänzlich unangebracht scheint es mir zu sein, wenn im Deutschland den Menschen, die die entsetzlichen Grausamkeiten schildern, die sich die Araber zuschulden kommen ließen, zugerufen wird: „Kriegspsychose". (Vorfall bei der Versammlung, in der Rabbiner Levy sprach.) Man muß sich klar darüber sein, daß eine Horde primitiver Menschen, deren niedrigste Instinkte entfesselt wurden, und die mit Hacken und Eisenfstangen über 60 Menschen totschlägt, selbstverständlich die furchtbarsten Grausamkeiten begehen muß! Festzustellen ist jedenfalls, daß bei der heutigen Stimmung für jeden Araber im Lande, Mohammedaner oder Christ, die Balfour-Deklaration ein rotes Tuch ist. Wir haben es heute mit einer wiedergeeinten nationalarabischen Front zu tun. Dies ist eine politische Tatsache, mit der man rechnen muß, wenn auch zugegeben werden kann, daß der Nationalismus der Massen vielleicht eine vorübergehende Erscheinung ist. Sämtliche arabischen Zeitungen bringen die übelsten Hetzartikel und stehen sämtlich auf dem Niveau des „Völkischen Beobachter". Andererseits scheint mir die panislamische Bewegung, von der der Mufti so gern spricht, bis zu einem gewissen Grade eine Schimäre zu sein. Aegypten hat heute ganz andere Interessen, ebenso der Irak. Eine wirklich mohammedanische Bewegung konnte sich nur in Indien ausbreiten, wo der Islam in einem für ihn sehr schwierigen Religionskampf steht. Ibn Saud würde jedenfalls in normalen Zeiten nicht nur nicht dem Mufti zu Hilfe kommen, sondern getreu den Lehren des Wahabismus zuerst einmal alle durch den Aberglauben geschaffenen mohammedanischen Heiligtümer zerstören. Ein nachhaltiges und für uns feindliches Echo haben die palästinensischen Geschehnisse zumeist nur in den syrischen Zeitungen gefunden; als man aber für die arabischen Opfer in Damaskus eine Kollekte veranstaltete, kamen nur 20 M. zusammen! Gerade in Syrien sind die christlichmohammedanischen Gegensätze viel stärker als das „arabische Nationalgefühl". Wir haben es also für die nächsten Jahre nur mit dem palästinensischen Arabertum zu tun und müssen dementsprechend unsere Politik einstellen. 25