Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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außerordentlich primitive Menschen sind, außerordentlich leicht erregbar und imstande, trotz jahrelanger Freundschaft — nach entsprechender Bearbeitung durch städtische Agitatoren — ihre jüdischen Freunde zu ermorden. Zur Zeit der Unruhen im Jahre 1920/21 war die antizionistische Stimmung längst nicht so verbreitet wie heute. In diesen acht Jahren hat die Erstarkung des nationalen Gefühls dank der Agitation in den Schulen, durch die Zeitungen usw. unter den städtischen Arabern ungeheure Fortschritte gemacht. Damals waren die Anstifter der Unruhen ein kleiner Kreis von Menschen, die Herbert Samuel durch gewichtige Konzessionen zu gewinnen versuchte. Wie sehr diese Politik mißglückt ist, haben die letzten Wochen gezeigt. (Mufti, Distriktsgouverneur Aref el Aref usw.) Wir müssen uns darüber klar sein, daß diese Konzessionen an die falschen Menschen gemacht wurden. Ihnen gegenüber wäre eine unerbittlich strenge Haltung am. Platze gewesen. Wie war denn die Situation vor den Unruhen? Im mühseliger Arbeit ist in den letzten Jahren das Verhältnis zwischen Arabern und Juden gebessert worden. Längst waren die Streitigkeiten der Jahre 1920/21 vergessen. Gewichtige ökonomische Beziehungen ließen in vielen Fällen Araber und Juden gemeinsam vorgehen (Orangenhandel, Fabrikarbeit, z. B. Zement und Streichhölzer, Arbeiterorganisation, Organisierung der „Junior"-Beamten bei der Regierung usw.). Auf der anderen Seite waren wir für die Landbevölkerung die wichtigsten Kunden und haben den Fellachen in Stadt und Land Arbeit verschafft. (Trotz aller dieser „Wohltaten" wird der Fellache jedoch immer mehr Vertrauen zu seinem Effendi haben als zu uns!) Auf der anderen Seite hatten die mohammedanischen Agitatoren (Mufti, arabische Exekutive) erheblich an Ein:fluß verloren und sahen sich einer starken arabischen Opposition gegenübergestellt. Diese Kreise suchten nur nach einer Gelegenheit, sich als „Retter des Vaterlandes" aufspielen zu können. Wir Juden sind ihnen in der Klagemauer-Affäre in der dümmsten Weise auf den Leim gekrochen. Was nützen alle öffentlichen Beteuerungen der Zionistischen Exekutive, wenn z. B. Klausner und andere in den Zeitungen dauernd von „Unsrer Mauer" schrieben? Wir hätten die Klagemauer, bei aller Wahrung unserer durch die Tradition geheiligten Rechte, nie zu einer politischen Affäre machen dürfen! Die Art und Weise wie der Mufti und seine Gefolgschaft unsere Dummheit ausgenutzt haben, ist wahrhaft bewunderungswürdig. Heute ist dieser ungebildete (auch religiös ungebildet) Scharlatan der Retter des Islam. Ich glaube, daß gegenüber dieser Agitation die ehrliche Befürchtung, daß nach Bildung der Agency das Kolonisationsprogramm größere Dimensionen annehmen und die arabischen Positionen schwächen würde, keine auch nur entfernt so große Rolle gespielt hat. Nur mit Hilfe der religiösen Agitation und mit Hilfe des Appells an die niedrigsten Instinkte (Scheich Talab Merka in Hebron usw.) sind die widerlichen Mordtaten erklärbar. Wie mir z. B. der Safeder Polizeimajor erzählte, kam der Ausbruch der Unruhen in Safed ganz unerwartet. 24