Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Juden und Araber in Palästina. Von A. Reifenberg (Jerusalem, V.J.St. Hasraonaea, Berlin, A.H.). Drei unterschiedliche Gruppen von Arabern kommen mit der Judenschaft Palästinas in Kontakt. Auf der einen Seite städtische Araber (Mohammedaner und Christen), auf der anderen Seite die Dorfbewohner (Fellachen). (Ueber die Beduinen schreibe ich hier nicht, da wirkliche Beduinen nur ausnahmsweise mit Juden in Kontakt kommen.) Zuallererst muß mit Bedauern konstatiert werden, daß Araber und Juden in den Städten nebeneinander leben und sich gegenseitig nicht kennen. (Von wenigen Ausnahmen bei Aerzten, Regierungsbeamten und Kaufleuten usw. sehe ich ab.) Die Ursache für diesen Tatbestand ist nicht so sehr in nationalen Gegensätzen wie in der fast unüberbrückbaren Sprachschwierigkeit zu suchen. Der beste Beweis für diese Behauptung liegt darin, daß wir gerade den meisten Kontakt mit solchen städtischen Arabern haben, die deutsch, englisch oder französisch verstehen. Hinzukommt, daß ein freundschaftlicher Verkehr schon deshalb außerordentlich schwierig ist, weil das Kulturmilieu ein durchaus unterschiedliches ist. Dies soll keine Wertung bedeuten, im Gegenteil; der Geist z. B., der in einer alteingesessenen mohammedanischen Familie herrscht, die traditionellen Formen, die dort gewahrt werden, berühren uns durchaus sympathisch. Wie sollen wir aber diesen Menschen näherkommen, die außer mit dem Koran verbundener religiöser Literatur überhaupt keine Bücher besitzen, denen die von uns mitgebrachten westlichen Ideen , absolut fremd sind? (Zeitungen niedrigen Niveaus werden natürlich überall gelesen.) Zwischen diesen Arabern und uns stehen Jahrhunderte europäischer Entwicklung. Aeußerlich leichter, aber dafür viel labiler ist das Verhältnis zu den englisch assimiliertten mohammedanischen und den christlichen Arabern. Ihre levantinische Assimilation und ihre oberflächliche Kenntnis europäischer Verhältnisse macht zwar eine Unterhaltung bedeutend leichter, aber auch hier ist das Bildungsniveau fast unüberbrückbar. Da aber „Kleider Leute machen" und diese Schicht es glänzend verstanden hat, sich in Kleidung, Sitten und Sprache den Engländern äußerlich zu assimilieren und dementsprechend von den Engländern geschätzt wird, betrachten sie uns, soweit wir äußerlich nicht ebenso assimiliert sind, noch dazu als inferior. (Für die alteingesessenen mohammedanischen Familien ist jeder Andersgläubige (auch Engländer) verachtenswert.) Wir müssen uns darüber klar werden, daß diese halbgebildeten Kreise unsere gefährlichsten Gegner sind, sie sind die Träger der antijüdischen Agitation, die e9 versuchen, halbverstandene europäisch-nationalistische Schlagworte in die Massen zu werfen. Zudem sind wir ihre gefährlichsten Konkurrenten, da unsere Aerzfe, Ingenieure, Kaufleute usw. bedeutend tüchtiger sind als die ihrigen. .Viel leichter kann es uns gelingen, mit den Fellachen in einen freundschaftlichen Kontakt zu kommen. Unsere Kolonisten und die arabischen Bauern haben die gleichen kleinen oder großen Sorgen, die in einer so primitiven Sprache ausdrückbar sind, daß das Arabisch unserer Menschen ausreicht. Wir dürfen aber nicht vergessen,, daß diese Fellachen 2&