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Der jüdische Student · 1929-11-01 · Heft 9 (November 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 9 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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Wichtiger und entscheidend ist der politische Teil der Verhandlungen. In politischer Hinsicht nämlich sind die palästinensischen Araber bisher 5urch die besonderen Verhältnisse im Lande in offenbaren Nachteil im Vergleich mit den arabischen Nachbarländern geraten. Diese Tatsache hat ihr primitives Nationalgefühl besonders stark verletzt. Im Parlament, das in einigen Jahren kommen wird, werden wir — wie auch immer die Grenze seiner Kompetenzen gezogen sein mag — einen schweren Stand haben, wenn es uns nicht schon bis zu seiner Bildung gelingt, Formen politischer Zusammenarbeit zu finden, die den Boden für gegenseitiges politisches Verstehen ebnen. Der ganze Fragenkomplex des Parlaments und der Selbstverwaltung Palästinas wird hoffentlich an unseren zuständigen zionistischen Stellen mit dem ihm gebührenden Ernste behandelt. Hier soll nur ein spezieller Vorschlag gemacht werden. Die Frage der Alijah ist heute noch eine Lebensfrage für das Jüdische Nationalheim.1 Wir brauchen eine Alijah, keine „freie" (ein altes und besonders gefährliches Schlagwort), sondern eine im wesentlichen durch die Mittel der Agency beschränkte Alijah. Die jährliche Einwanderungsquote wurde bisher auf administrativem Wege nach vorausgegangenen Verhandlungen zwischen Regierung und Zionistischer Exekutive festgesetzt; die Araber wurden in dieser für sie doch auch nicht gleichgültigen Frage vollständig übergangen. Dies Uebergangenwerden in Verbindung mit der Furcht, von uns einmal mäjorisiert zu werden, hat bei den Arabern zu jener intransigenten Haltung in der Einwanderungsfrage geführt, an deren Aenderung wir dringend interessiert sein müssen. Was die Frage Majorität—Minorität anlangt, so ist schon angedeutet worden, daß wir von nun an klar und deutlich immer wieder unser Desinteressement an Erlangung der Majorität betonen müssen. Ferner sei folgendes vorgeschlagen: wir bieten der Gegenseite die sofortige Bildung einer parlamentarischen Kommission an, bestehend aus je drei sachverständigen Vertretern des Völkerbundes, der Juden und der Araber, die die Kontrolle der Alijah übernimmt und auf Grund der Wirtschaftsgeschichte des Landes in den letzten Jahren, der Mittel der Agency und des Standes der öffentlichen Arbeiten im Lande die jährliche Quote festsetzt. Wir haben diese Kontrollkommission nicht zu fürchten; der Tausch, den wir dabei mit der bisher geübten Praxis machen werden, kann nur zu unseren Gunsten sein. Darüber hinaus aber bedeutet die Arbeit einer solchen Kommission eine wichtige Erziehung zur späteren parlamentarischen Zusammenarbeit beider Völker, die nur dann dem Lande und seinen Bewohnern zum Segen gereichen kann, wenn sie durchdrungen sein wird vom Geiste gegenseitigen Verstehens und wechselseitiger Duldung. Der größte Gegner der oben skizzierten Entwicklung steht aber im eigenen Lager. Wenn ihr wollt . . . Das Schicksal der zionistischen Verwirklichung liegt auch jetzt, wo wir wieder am Scheidewege stehen, in unseren Händen. Doch wir müssen eilen, ehe es zu spät ist. Radikale Klärung unserer Ideologie, Umstellung unserer Erziehungs- und Propagandaarbeit sind die Grundvoraussetzungen für das Gelingen der einzig möglichen Politik, die zwei Völkern die Sicherheit einer friedlichen Entwicklung und eines kulturellen Aufstiegs im gemeinsamen Lande gewähren kann. 22

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