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Der jüdische Student · 1929-11-01 · Heft 9 (November 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 9 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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vertreten, sondern auch den ethischen Gesichtspunkt betont, daß das schwierige Problem des jüdisch-arabischen Zusammenlebens im gemeinsamen Lande eine Aufgabe sei, an der sich die nationale Ethik des Zionismus, ohne die er seinen Sinn verliert, zu bewähren habe. Also wohlgemerkt: nicht aus besonderer Liebe zum arabischen Volke oder Wertschätzung seiner nationalen Qualitäten — wenn eine solche Wertung überhaupt möglich ist — trägt Brith Schalom die ethische Kategorie an seine politische Forderung heran, sondern es geht ihm dabei um die Reinhaltung des zionistischen Schildes, um die Hochhaltung unseres Strebens nach besseren, höheren Formen nationalen Daseins. Wenn aber der Brith Schalom es für nötig gefunden hat und auch heute noch findet, sich gegen andere zionistische Gruppierungen hin abgrenzen zu müssen, so geschieht dies nicht lediglich aus Betonung jener ethischen Komponente heraus, sondern vor allem aus dem Grunde, weil er glaubt, daß Wille zum Frieden identisch ist mit ehrlicher Verhandlungsbereitschaft, also auch mit Bereitschaft zum Entgegenkommen. Denn Frieden schließen ist, wenn man nicht gerade in Brest-Litowsk oder in Versailles sitzt und dem Gegner seinen Willen diktieren kann, synonym mit Kompromisse machen, mit Konzessionsbereitschaft. Wenn wir also jetzt an das Problem der Verständigung mit dem arabischen Volke herangehen, so entstehen naturgemäß; zwei Fragen: Welches sind unsere Minimalforderungen, mit denen der Zionismus steht und fällt, und was haben wir unserem Partner zu bieten? Die erste Frage ist eine zionistische Gewissensfrage, ihre Beantwortung wird verschieden ausfallen, je nach der politischen Einstellung*). Ich glaube, daß ein großer Teil der Zionisten schon seit Jahren zur Erkenntnis gelangt ist, daß nur ein achadhaamistischer Zionismus Sinn und Aussicht auf Verwirklichung hat — ohne allerdings aus dieser Einsicht die letzten Konsequenzen zu ziehen. Das Jüdische Nationalheim, als geistiges Zentrum für die Judenheit der ganzen Welt gedacht, bedarf nämlich zur Sicherung seiner Existenz lediglich der Garantie einer Autonomie in allen seinen, kollektiven Funktionen. Es bedeutete eine Assimilation der zionistischen Ideologie an die des europäischen Nationalismus der Vorkriegsepoche, wenn weiter geschlossen wurde, jenes autonome Gebilde müsse sich zur Staatsnation Palästinas entwickeln, da es so erst der Weltjudenheit gegenüber sich als Zentrum voll auswirken könne und auch nur so sein Bestand nach außen hin völlig gesichert sei. Hier schlich sich der Gedanke von der Notwendigkeit einer jüdischen Mehrheit in Palästina in das zionistische Vokabular ein, der unserer Sache bisher großen Schaden gebracht hat. Die schöpferische Kraft des Nationalheims und damit seine Wirkung als Zentrum hängt von seiner Qualität ab. Nunj istimmt es wohl, daß Qualität erst zur Geltung kommen kann, wenn die Quantität ein gewisses Minimum überschritten hat; dieses Minimum ist jedoch eine Funktion des entstehenden Organismus selbst und in keiner Weise abhängig von der Zahlenstärke anderer Völkergruppen des Landes. Und die Sicherung seines Bestandes, die das Nationalheim angeblich nur durch die Mehrheitsbildung erlangen kann? Auch hier lehrt ein *) Im Rahmen dieses Artikels kann diese Frage nur andeutungsweise behandelt werden; ich hoffe, ein anderes Mal darauf ausführlich eingehen zu können. 20

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