Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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bewähre, wahr mache. Wichtig aber auch die Stunde, in der wir erkennen, daß einmal eine romantische Geste im Kriegsspiel auf uns gewiesen. So und so: unsere Arbeit wird dann nur ruhiger, bestimmter und planvoller sein. Und sie wird am Ende die arabische Bevölkerung kulturell und sozial heben und wirtschaftlich gegen die Effendis voranbringen, sicherer als eine abgebrannte Scheuer, ein Paar geraubte Stiefel und durchschnittene Schülerkehlen es vermöchten. Wie heute schon (zwar in den Taten noch nicht genügend markant) manche städtischen und dörflerischen Araber die barbarische Hetze ablehnten, wie der einheitlich und ohne Abrede einsetzende Boykott arabischer Waren nun auch dem dümmsten arabischen Händler besser als alle hebräischen Flugschriften die Verbundenheit, ja die zwangsweise Verflochtenheit der verschiedenen Volkschaften in e i n e m Wirtschaftsgebiet lehren, einprägen wird, so wird das soziale Evangelium, das unsere Berufung ist, die Zerlumpten, die Armen im Geiste, die von ihren Ausbeutern auf unbequeme Beute abgelenkt werden, erheben zu einem Brudervolk. Und das erkannten die Juden schnell: Keinem Angriff weichen, aber immer gerüstet sein für den Frieden. Der Weg der Verständigung. Von SamuelSambursky (Jerusalem, V. J. St. Maccabaea, Königsberg, A. H.) Die letzten Ereignisse in Palästina sind schon mehrfach treffend auf ihre Bedeutung hin analysiert worden, so daß sich in dieser Beziehung! längere Ausführungen erübrigen. Nur wenige, die die Dinge nicht sehen wollen oder können, wagen es noch, den nationalen Charakter des arabischen Aufstandes in Zweifel zu ziehen. War aber diese nationale Tendenz bei Ausbruch der Unruhen noch stark mit religiösen Motiven gemischt, die durch unsere falsche und leichtsinnige Prestigepolitik in der Klagemauer-Affäre -heraufbeschworen wurden, so trat im Verlaufe der Bewegung und noch mehr nach ihrer gewaltsamen Niederwerfung mit großer Klarheit ihre arabischnationale, antizionistische Grundfärbung zutage. Noch deutlicher sind die nationalen Auswirkungen der Ereignisse, die ein Beweis für die ruckartige Entwicklung des arabischen Nationalbewußtseins sind, selbst dann, wenn sie zunächst wieder etwas verblassen sollten. Es sei vor allem auf die arabische Boykottbewegung gegen jüdische Waren hingewiesen, deren starke Organisation und einhellige Durchführung, unterstützt von Proteststreik und Terrorakten gegen Flaumacher im eigenen Lager zeigen, welche Fortschritte das Solidaritätsgefühl unter den Arabern gemacht hat. Die öffentliche Meinungsbildung im arabischen Lager ist ausgeprägter und lebhafter geworden: mit einem Schlage erscheinen drei arabische Tageszeitungen im Lande, nachdem sich jahrelang nicht einmal eine halten konnte. Die alten Differenzen zwischen führenden mohammedanischen Familien und die Gegensätze zwischen Christen und Moslems unter den Arabern sind einem Burgfrieden gewichen, der ungetrübt anhält. Die Araber fühlen sich durchaus nicht als die Unterlegenen. Aus den offiziellen Regierungserklärungen in London, aus dem Einlenken der Palästina-Regierung, das der ersten Proklamation Chancellors folgte, aus den Stimmen der Weltpresse und vor allem der englischen Blätter hören sie 18