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Der jüdische Student · 1929-11-01 · Heft 9 (November 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 9 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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arabischer Pöbel ruhmlos die Stätte entweihte, Gebete zerriß und unsere Greise entehrte, wuchs das alte Gemäuer gewaltig empor zum Tempel unserer Wallfahrt, zum Symbol unserer nationalen und kulturellen Einheit. Und so fest fügten sich die Quadern, daß vor ihnen jeder Zweifel verstummte, obschon jetzt die gewiß einmal notwendige Aussprache mit dem elastischen Briten und dem Stühren Araber erfolgen müßte: um die Mauer; um die symbolische Mauer. Besonders Scheue hätten vielleicht dem Begehr der jüdischen Jugend nicht Vorschub geleistet, am Tischah b'Abh an der Mauer — der Mauer der Klagegebete! — im geschlossenen Zuge mit (freilich zag entfalteten) Fähnlein vorbeizuziehen. Aber wir alle wissen, daß dieser Umzug, wenn ihm zwei Tage später auch die arabische Parade am selben Platze folgte, unerheblich war und überflüssig für jene, die keines äußeren Anlasses brauchen, den Mob zu schirren und die Beutegier in den schwarzen Zelten - aufzugeilen. Dabei darf die Einheitlichkeit in der Abwehrstellung durchaus nicht verstanden werden als eine Einheitlichkeit in den Abwehrformen. Es ist deutlich, daß mikrige Jemeniten und Kurdjuden, in deren Geblüt schmerzvolle Erfahrungen vieler Geschlechter lebendig rollten, anders reagieren, als etwa Männer, die durch den Sport, den militärischen Drill, vollends durch den Krieg hindurchgegangen sind oder hindurchgegangen wurden. Diese haben doch das Wichtige erfahren, daß „das Leben der Güter höchstes nicht" ist In jenen aber blieb das „Furchtvolk" Rathenaus noch unverändert, sie hatten zu lange in hoffnungsloser Vereinsamung gelebt als Einsprengsel bei anderen Völkern, fern von allen Wegen; und wußten auch, daß ein Ueberfall gleich einem naturhaften Ereignis, etwa einem Erdbeben, unentrinnbares Schicksal war. Sie wurden geschlachtet oder sie liefen. Wohin? Sie liefen in panischem Schrecken. Und es war in allem Jammer ein groteskes Bild, Jemeniten und Araber aus den Quartieren, die sie gemeinsam bewohnen, mit Hack und Pack in gleicher Hast auseinanderspritzen zu sehen. „Die Wehr der Schwachen ist Furcht und Flucht" Nur in einem Falle trieb ein jäher Affekt eine furchtbare Attacke vor. Aber in allem — auch dort, wo ein kraftvoller Angriff zusammengerottete arabische Feiglinge sofort zerstreut hätte — blieb es bei der Abwehr, in Hulda etwa: bei einem heldischen Widerstand, den alte Zeiten in den Epopöen ihrer Sänger aufbewahrt hätten. Gewißlich: es fehlt nicht an Zeugnissen, wo selbst englische Beamte pflichtgetreu schnell und kraftvoll eingegriffen haben. Aber entscheidend blieb der Abwehrwille der Juden, die sich ohne lange Diskussion um den Kern alter Schutzgruppen organisierten; entscheidend nicht nur im Kampf; entscheidender (wie in allen Kolonien um Jaffa bis Haifa hinauf) in einer Bereitschaft, welche die arabische Gier wie der Blick auf ein medusisches Haupt kühlte und lähmte. Köstlich, wie diese sichere Einheit Talente heraushob, die zielgewiß die Forderung der nächsten Stunde erkannten und erfüllten. Sinnvoll in rasender Hast war die Versorgung der Orte mit Lebensmitteln gesichert, und nirgend wagte Gewinnsucht die Not des Tages zu nützen. Aus der Einheit der Gemeinde, aus der „Gemeinschaftsseele" stieg eine geläuterte Gemeinschaftsmoral. Wo ständen wir heute im Lande, wenn nicht erst der Feind diese wundersamen Kräfte aus dem Volke erlöste; wenn die nationale Verpflichtung, sonst gebunden durch Parteidisziplin, sich frei entfalten könnte 16

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