Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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hänge mit dem Entwurf des englisch-ägyptischen Vertrages, der Entfernung George Lloyds, mit wahabitischen Bewegungen und „panislamitischen^ velleites einiger arabischer Spekulanten ergaben sich) leichter kombinatorischen Gauklern, als dem Sucher der Wirklichkeit Nicht ausgeschlossen, daß der und jener ein Kravällchen voraussah, ein paar Fensterscheiben klirren hörte —- und eigentlich nichts dagegen hatte. Aber dem Umfang, den die Unruhen annahmen {— aus der sicherem Einschätzung des zu erwartenden Widerstandes der Behörden! —), die Minderung englischen Prestiges nicht nur in der ganzen zivilisierten Welt, sondern gerade im Orient — hat niemand von den leitenden Engländern gewollt, auch nur durch bewußtes Nichtwissen gefördert. Auch nicht geahnt! Aus vielen Einzeltatsachen formt sich das Urteil: man tut den Männern unrecht, wenn man sie für klug, geschickt, vorbedacht und geistesgegenwärtig hält. Sie sind dumm und unbeholfen; sie sind überrascht und vor den Kopf geschlagen worden. Da nicht anzunehmen ist, daß die ausgezeichnete (und kostspielige) englische Spionageabteilung nicht gewußt, was jeder Jude wußte, nämlich, daß die Araber für den 23. August (Freitag) in Jerusalem einen Ueberfall planen, so bleibt nur, daß sie nicht oder nur ungenügend oder an eine andere Stelle hin rapportiert hat. Diese „Intelligence" ist ein p o 1 i ~. t i s c h e s Instrument aus der Kriegszeit, leicht angerostet und schartig geworden in den zehn Friedensjahren. Aber noch immer ein ernstes Gewaffen. Aus der Kriegszeit! Aus der Zeit, da die Militärs ein gewichtiges Wort zu sagen hatten. Trotz des Uebergangs der Verwaltung in die Hände der Zivilisten sind eben die zentralen Kräfte, die höhere Beamtenschaft, noch nicht entmilitarisiert. Das ist der Schlüssel zum Verständnis des ganzen jüdischen Problems! in Palästina und der zeitlichen! Explosionen, in denen sich der Widerspruch entlädt. Die Spionageabteilung freizumachen von den Männern und dem — Ideen des Krieges, ist auch nicht einmal versucht worden. Aber in der Beamtenschaft dominiertem nicht die Männer, die eine lange zivile Verwaltungskarriere durchlaufen! und in den verschiedenen Ländern Erfahrungen in der Menschembehandlung gesammelt und erprobt haben; die eine Situation erfassen und die zu differenzieren verstehen. Palästina wird faktisch von Männer« subalterner Stellung, meist subalternen Geistes regiert, die die Kriegswogen emporgeschleudert haben. Der Mangel an Bildung ist ergreifend, selbst nur an fachlicher Ausbildung. Zur Entwickelung oder nur zum tieferen Verständnis eines politischen Prinzipes reicht's nicht aus. Vielleicht, daß sie (nach Heines Charakteristik der Engländer) vom „Nutzen oder Schaden der Dinge" diskutieren. Wahrscheinlich werden sie das Denken dem Colonial Office überlassen, wo an starker Stelle der Geist Lawrences, des Revolutionärs der Wüste, mit wilder Gebärde Balfour in die Knie zwingt und die Kriegsidee des großen arabischen Reiches als englischen Dominions bewußter den Weg weist als die müden Gestikulationen der Minister. Wahrscheinlich! Aber gewiß ist jedem einzelnen Juden des Landes (die zionistischen Führer im Ausland dürfen es nicht wissen), daß die palästinensische höhere und mittlere Beamtenschaft nicht jene Organe sind, sein können und — sein wollen, aus deren schöpfe- 14