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Der jüdische Student · 1929-11-01 · Heft 9 (November 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 9 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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welle verebbt. Der Märtyrer, der Rechtsfanatiker, vollends die Bereitschaft zum Selbstopfer für Unrecht, das anderem geschehen —: sie sind nicht gerade orientalische Erscheinungen. Auch in diesen Pogromtagen wagte der städtische Araber weder vorzugehen, noch zu verhindern. Auch diejenigen nicht, die längst erkannt hatten, .daß sie in der stürmisch aufstrebenden Wirtschaft des Landes, die nur eine sein kann, auf Gedeih und Verderb mit den Juden verbunden sind. Sie schwiegen — in Wut und Verzweiflung und duldeten den Terror, den die nationalistische arabische Jugend ausschickt. Es sind die Schüler der höheren Schulen, Absolventen, die sich daheim besonders in den Sprachen weiterbilden, um in die Beamtenkarriere einzutreten, Studenten und junge Akademiker, in deren oberflächlichstem Bildungsüberzug europäischer Nationalismus eingemischt ist. Diese Jugend ist oder macht sich auf als die Trägerin europäischen Antisemitismus, ohne seinen Nationalismus zu überhöhen zu tätiger Arbeit für die Volksgenossen, zu sozialer Verantwortlichkeit, zu demokratischer Einstellung und zur Opferwilligkeit. Sie sind reine Effendis von egoistischer Observanz, mit nationaler Phrase. Der Fellache ist der Sklave, das Objekt der Ausbeutung, der physischen und der politischen. Nirgends der Eifer an Werke — wie einmal bei den russischen Narodniki, — ihn sittlich, bildungsgemäß, wirtschaftlich aus der Sphäre vielhundertjähriger Verelendung ins Lichte zu heben. Verlogenes Geschrei; ein unsozialer, unpatriotischer Nationalismus. Und doch fühlbar in den Pogromtagen, weil diese Jugend englisch spricht und fähig wurde zu erkennen, daß sie sich blähen dürften mit — arabischem Mut. Sie wußten, daß der Stärkere — der Engländer — kein Freund der Juden ist. Wie ist sein inneres und äußeres Verhältnis zum Pogrom? Daß der Pogrom vom Jahre 1920 ein Werk der englischen Militaristen war, daß er sich jedenfalls im Zeichen der englischen Gegner der Balfour-Deklaration abspielte, ist heute kein Zweifel: die schnelle Ablösung der militärischen Obergewalt durch eine Zivilverwaltung wird nur durch die Geheimgeschichte dieses Pogroms erklärt. Von den Maipogromen (1921) wußten vorher auch die englischen Behörden, mit Ausnahme des High Commissioners. Er war umgeben von jener Kohorte, deren Beseitigung! ihm noch nicht opportun schien. Ein Teil wurde in der Folge abgebaut; aber kleinere Geister stiegen langsam auf und die stärkeren kamen wieder — in andere politisch nicht so wichtige Stellungen. Unter Lord Plumer, in dessen Verwaltung natürlich die Grundlinien des Charakters der alten Machinery immer noch eingezeichnet waren, waren Aufstände nicht zu denken: es war Militär ohne eine spezifische Einstellung in den Orientproblemen, korrekt und prompt in den Verwaltungsmaximen, loyal gegenüber dem Ziel der * Balf our-Deklaration; gerecht. Und — was die Juden an ihm schätzten und rühmten: „ohne Chochmes". Sein Nachfolger ist noch ein Neuling. Er ist Verwaltungsbeamter, der seinen Standpunkt noch: nicht überhöht hat. In seiner Abwesenheit vollzog sich der letzte Pogrom: es hätte wohl auch losbrechen können, wenn er nicht im Auslände war. Daß seine Beamten um diesen Aufstand wußten, dafür liegen keinerlei Beweise vor. Auch die berufsmäßigen Englandfresser und pilpulistische Politiker haben kein reinliches Material beigebracht. Zusammen- 13

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