Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Am 23. August 1929 hätten die Juden die Omar-Moschee in die Luft gesprengt. In dem Schrei „die Juden" raschelte noch1 deutlich das „Moskow" ... Und in Tel-Awiw haben sie 500 Araber ermordet . . . Natürlich fanden sich sofort einige Juden, die meinten, es sei eigentlich nicht recht, die Omar-Moschee in die Luft zu sprengen —: Brüder jener Gerechten, die längst eingesehen haben, daß die Hakenkreuzler, die Kli-Klu-Klaxe, die Antidreyfusiards, der Gazi und Imon Jabje zwar . . aber ... Es ist praktisch ganz gleich, was sie sagen und schreiben. Wie es unerheblich, was dagegen gesagt und geschrieben ist. Entscheidend ist, daß die Juden als Gruppe eben als Fremde wirken {wahrscheinlich, weil sie es aus Wesen, Schicksal und Geschichte sind). Und daß dieses Gefühl der Fremdheit sich so schnell, so leicht und so tief den andern einprägt und so verwirrt, daß selbst das Allgemeinmenschliche und das Natürliche noch als fremd empfunden wird. Wie dieses Fremde zu Zeiten trennt mit der Urgewalt panischen Schreckens, so bindet die entfesselte Glut aus dem Soganzanderssein die heterogensten Elemente. Unsere nationale Ethik — jede! — gewinnt ihre monumentale Wucht in der Wahrung des Fremdlingsschutzes aus der Mahnung an einstiges eigenes Fremdlingsleid. Auch den Arabern sind wir als Gesamtheit Fremde. Und wie es wertlos ist, sie mit (hebräischen . . .) Zeitschriften zu überzeugen, daß wir ihre Brüder sind und daß sie uns „eigentlich" lieben müssen und jedenfalls mit uns im Frieden leben, so belanglos in Problem und Sache und nur für Sentimentale berauschend, daß auch die Tage der heftigen Erregtheit Zeugnisse reinen Menschentums sahen. Es geht nicht darum, nun keifend zu streiten, ob sie durch Zeugnisse der Niedertracht, nachbarlichen Verrates, Undankbarkeit und Zerbrechens alter Freundschaften aufgewogen werden. Es geht darum, in voller Würdigung des Fremdheitkomplexes und im heiligen Eifer des Willens zu friedlichem Beieinander den Gegner zu erkennen und den Schutz gegen Angriffe zu sichern. Was lehren die Pogrome, was lehren weiters die Unterschiede in den Ausdrucksformen der beiden Pogrome? Der Araber ist feige. In allen seinen Errechnungen über die Chancen einer Tat ist die Feigheit ein Hauptfaktor. Wer arabische Händler, Hafenarbeiter, ja selbst Effendis beim Streite gesehen, weiß, hinter Geschrei und drohender Gebärde steht die Angst vor der eigenen Courage: das gezückte Messer wird eingesteckt und dem Gegner wird eine Zigarette versetzt. Nur wer sicher ist (oder versichert sein dürfte . . .),' daß ihm kein oder kaum Schaden geschieht, riskiert. Der Mut wächst mit der Wertlosigkeit des Gegners. Zu jeder Aufhetzung gehört die Versicherung, daß dem Stürmer kein Schade geschehen wird. Früher wurde der liebe Gott bemüht. Er deckte die Police* Jetzt versichert Hinweis auf arabische Polizei. Oder England will es? Der erste mächtige Demonstrationszug in Jerusalem wurde von Polizei eskortiert, die nicht dazwischenfuhr, auch als die Masse Läden angriff und Passanten mordete. In Safed schoß die Polizei in die Luft („weil keine anderen Befehle vorlagen"). Es wurde als eine Ermunterung aufgenommen. In Hebron war ein beurlaubter Jaffaer Polizist im Zuge. Der englische Offizier wehrte sich erst, als er selbst in Gefahr kam. Auf das 2* 11