Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 9 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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erzielen können. Es ist der politische Teil des „kolonisatorischen Regimes" der Revisionisten, der hier erreicht werden muß. Ich bitte nicht zu erschrecken, weil hier revisionistische Forderungen/ vertreten werden; die Revisionisten haben, ich muß dies als sachlich denkender Mensch sagen, auch wenn ich nicht Revisionist bin, in vielen Dingen recht behalten, sowohl in ihrer Analyse der Situation als auch in ihrei; Forderung des kolonisatorischen Regimes; wodurch wir, und damit meine ich diejenigen, die zwischen den Anhängern der bisherigein Weizmannschen Politik und den Revisionisten stehen, uns von ihnen unterscheiden, sind in erster Linie Fragen der Taktik und der inneren Einstellung, unsere Ablehnung jeglichen Chauvinismus, die aber in keiner Weise gleichbedeutend ist mit dem bisherigen schwächlichen Auftreten der zionistischen Leitung gegenüber England. Es wäre dringend nötig, die oben gekennzeichnete Gruppe organisatorisch zusammenzufassen. Wir kommen nunmehr zum zweiten Hauptpunkt: der zionistischen Politik gegenüber England. Ohne damit Vorwürfe gegen unsere Leitung zu verbinden, denn wir kennen die inneren Gründe unserer schwachen politischen Situation (Weizmann: „Wo bist du, jüdisches Volk?"), können wir ihr heutiges Resultat doch nur als einen völligen Fehlschlag erklären; in der Politik gelten die Resultate, und diese sprechen nicht für die bisherige Methode. Und wie erklärt sich dieser Fehlschlag? Einerseits aus den oben angegebenen Gründen, nämlich, daß England einen schnelleren Menschen- und Kapitalzustrom von jüdischer Seite erwartet hatte und von diesem Standpunkt aus enttäuscht war; nach' unserer Auffassung zu Unrecht, denn einzig und allein das Tempo war langsamer als vorausgesehen, aber wir standen gerade jetzt nach Konstituierung der Jewish Agency im Anfang eines verheißungsvollen wirtschaftlichen Aufschwunges. Und andererseits finden wir Verständnis für unseren mangelnden politischen Erfolg gegenüber England (über den alle feierlichen Proklamationen der verschiedenen englischen Kabinette zu unseren Gunsten nicht hinweghelfen!) in einem hervorragenden Aufsatz von M. I.-Bonn aus dem Oktoberheft der „Neuen Rundschau", dessen Lektüre ich dringend empfehle, betitelt: „Die beiden England". In ihm schildert B., ein ausgezeichneter Kenner Englands, die Zwiespältigkeit, die sich von jeher durch die englische Politik gezogen und sich auch in Palästina so unglücklich ausgewirkt hat, beruhend auf der» Existenz „der beiden England"; nämlich des einen, das stets brutale Erobererpolitik trieb, Anhänger Machiavellis, politische Utilitaristen („der Zweck heiligt die Mittel!; man denke an den Burenkrieg, Indien, China, Sudan!") und des anderen, des „biblischen England", heute z. B. repräsentiert durch Balfour, idealistisch gesinnt, aber im Moment, wo es selbst zur Macht kommt, durch das politische Erbe seiner Vorgänger gebunden, der „Macht der Tatsachen" seine Prinzipien opfernd (oder wird MacDonald eine Ausnahme darstellen?). Mit diesem gut gesinnten England haben wir in erster Linie Beziehungen unterhalten und ihm gegenüber ist auch heute die Berufung auf Gerechtigkeit, Einhaltung feierlich gegebener Versprechen, auf „fair play" und auf die idealistischen Grundlagen des Zionismus möglich und nötig. Aber wir haben in tragischer Weise vergessen, daß es gleich- 8