Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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haltenden Versprechungen bekamen wir nichts! Ihr müßt Euch dieses Verhalten einmal bei richtigem Lichte betrachten. Eine erdrückende liebermacht gegen eine fast waffenlose Minderheit! Und die Regierung gibt uns ganze acht Polizisten zum Schutz. IX h. keinen Schutz und keine Waffen. Kann sie das verantworten? Ein Kampf hat nicht stattgefunden; so ist es auch schwer zu sagen, ob wir gesiegt hätten. Eines ist jedenfalls mit Sicherheit zu sagen: Die Reaktion des Jischuw auf die arabische Herausforderung war eine würdige und imponierende! Aus der Sache gehen zwei Besiegte hervor: die Araber und die englische Regierung, für die diese Sache eine ganz große Blamage ist! Die Frage, ob wir die Sieger sein werden? Da heißt es, nochmals die Lage ruhigen, kalten und kritischen Blickes zu überprüfen! Wir haben eigentlich nichts von unserer Regierung, außer militärischen Schutz, der uns angeblich das Aufbauwerk erst ermöglicht. In der Tat sahen wir an Hand der Tatsachen, daß der militärische Schutz gleich null ist. Zumindest setzt er so spät ein, daß die Araber ein zweites Mal nach den Lehren dieses Aufstandes den ganzen Jischuw bequem vernichten können, bis es der Engländer für nötig hält oder schafft, seine Truppen herzubringen. Oder sollte England im Orient so schwach sein? Daher muß eine einheitliche Forderung vom gesamten Jischuw, von der gesamten Zionistischen Organisation und der ganzen gesitteten Welt erhoben werden: Bewaffnung des Jischuw! Wir wollen in einem halbwilden Lande aufbauende Pionierarbeit leisten; wir werden von bösen Nachbarn dauernd gestört — alle paar Jahre schwer überfallen, was uns viele Früchte schwerster, opfervoller Aufbauarbeit kostet. Gebt uns die Möglichkeit, unser Besitzturn zu verteidigen gegen die Angriffe eines auf niedriger Kulturstufe stehenden, verständnislosen Volkes! Sind wir bewaffnet, so sind wir auch Herren der militärischen Lage, die nicht schwer zu beherrschen ist. Viele Leute erwähnen mit einer gewissen Trauer die türkische Herrschaft, wo sowohl Störungen des Gottesdienstes als auch derartige Aurstände nie vorgekommen sind; sie beschuldigen in erster Linie das Mandatssystem, das sich nicht bewährt habe und verlangen Abschaffung desselben oder zumindest Uebertragung desselben an eine andere .Wacht, z. B. Amerikain dieser Frage heißt es sehr vorsichtig operieren, da man einen noch schlechteren Tausch machen könnte, abgesehen davon, daß England ja sowieso nicht mehr Palästina verlassen wird. Doch wird man der Frage näher treten müssen. Vielleicht könnte man Amerika als zweiten Garanten in das Mandat einbeziehen? Der Gedanke hat etwas Bestechendes an sich, da doch Amerika durch keinerlei „Araberpolitik<k gebunden ist und unseren Forderungen viel wohlwollender und objektiver gegenüberstehen kann. Auf jeden Fall muß man den mit so großen Opfern erkauften Moment ausnutzen, um den Mandatsvertrag fester zu umreißen und die Erfüllung bestimmter Forderungen durchzusetzen: es kämen eben ganz positive Unterstützungen in Frage, wie Landabgabe in großem Ausmaß, Steuerfreiheit auf neu kolonisierten Boden, Prämiensystem für ausgesprochene Pionierarbeiten, wie Entsumpfen, Sanieren jahrhundertelang vernachlässigten Bodens, Ansiedlung der Kriegsteilnehmer mit füll equipment. Aenderung der Steuer-Zollpolitik, LJeber- H>