Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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schierend — das wäre gar nicht auszudenken gewesen; wir wußten, wenn sie kommen und siegen, dann sind wir alle verloren, und niemand kann uns retten, denn der Engländer hat Zeit, bis er zu Hilfe „eilt", und ein Rückzug ist unmöglich; wohin? ins Lar, in andere arabische Lager? Trotzdem war und blieb alles ruhig. Es entstand keine Panik, keine Hvsterie. Am ersten Tage verspürte man eine gewisse Aufregung, aber das legte sich bald. Am Sabbath-früh war eine Sitzung aller Bevölkerungsteüe der Kolonie, und man wählte ein Yerteidigungskomitee aus drei Kolonisten und drei Arbeitern; primus inter pares war ein junger, sehr intelligenter und energischer Arbeiter, der vor acht Jahren den arabischen Ueberfall auf Hedarah miterlebt und mitverteidigt hatte. Am Sabbat-Ausgang begann eine fieberhafte, aber wohlgeordnete Tätigkeit. Zuerst wurde die Waffenfrage gelöst. Wir hatten natürlich keine, und was vorher da war, hatte die englische Regierung uns vorsorglich weggenommen. Aber schließlich kam allerhand zum Vorschein, was und wie, möchte ich aus gewissen Gründen nicht ausführen. Es fehlten Handwaffen. Plötzlich wurden verfallene romantische Begriffe wieder lebendig. „Waffenschmiede1*. Wer kann sich darunter etwas vorstellen! Hier vereinigten sich alle Schmiede in der größten Werkstart, und Tag und Nacht wurde gehämmert und geschmiedet, und schließlich war jeder Einzelne mit zum Teil furchtbaren Handwaffen versehen. Es wurden auch allerhand Erfindungen wieder gemacht, z. B. Handgranaten. Dynamit gibt es zu Sprengungen genug; alle Arten kleiner Kaliber von Eisenröhren, die zugeschmoizen werden können; Zündschnüre sind auch kein Geheimnis. Bald war ein ansehnlicher Berg vorhanden; wurden ausprobiert, funktionierten glänzend. Sogar ein Panzerauto wurde verfertigt. Alles, was frei war, beteiligte sich mit großer Begeisterung an seinem Bau. In 132 Tagen stand der Tank mit Schießscharten und allen möglichen Schikanen versehen gebrauchsfertig da. Wir beschossen ihn: er hielt aus! Ein Hauptverbandsplatz eingerichtet, Sanitätshilfspersonal ausgebildet, verteilt; Frauen und Kinder auf drei zentrale Häuser konzentriert, Barrikaden gebaut, Schützengräben und -löcher ausgehoben, Spanische Reiter -aufgestellt, alles so stark mit Stacheldraht eingezäunt, daß ein evtl. Angriff sich nur innerhalb der Drahtzäune entwickeln konnte in einem Gebiet, das von allen Seiten leicht zu bestreichen war. Unser kleines privates Elektrizitätswerk versuchte, Starkstrom in die Drähte zu leiten. — Ihr seht, wie die Großen .... Bald sah man das übliche kriegerische Bild; Abteilungen marscnierten in Waffen durch die Straßen, bezogen ihre Wachen, Vorposten; Reiter patrouillierten, brachten Meldungen, Lagerfeuer brannten. Lieder ertönten ---- Wie in „großer Zeit". Dies alles organisierten polnische und russische Juden, die zum Teil noch nie eine Waffe in der Hand hatten. Ich mußte unwillkürlich an Trotzki denken, den Organisator der russischen revolutionären Armee. Alles geschah in Ruhe, Sicherheit und musterhafter Disziplin. Alles war bereit, den Feind gebührend zu empfangen, nur der war nicht bereit, zu kommen; panischer Schrecken war ihm ins Gebein gefahren; und das mit Recht. Eine Sorge konnten wir nicht beheben. Uns fehlten weittragende Schußwaffen. Wir wandten uns wiederholt an die Regierung. Doch außer hinlb