Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Daß der Islam eine Religion, aber als solche keine politische Realität ist, hat der völlige Mißerfolg der von Abdul Hamid als Abvvehrwaffa gegen den europäischen Imperialismus geschaffenen panislamitischen Bewegung gezagt. Der bei Eintritt der Türkei in den Weltkrieg verkündete „Heilige Krieg" blieb leere Geste. Dafür war Hussein, der Scherif von Mekka, aus Mohammeds Stamme, der erste, der sich gegen den Kalifen in Konstantinopel erhob, der gleiche Hussein, der sich dann später /um Kalifen machen konnte, ohne von der mohammedanischen Welt als Verräter gebrandmarkt zu werden. Bei dieser Gelegenheit hat sich gezeigt, daß die zahllosen Proklamationen muselmanischer Solidarität über die trennenden Schranken der Sektengegensätze hinweg Ideologie oder politische Propaganda gewesen sind. Auch heute noch begegnet man bei der Abwehr europäischer Aspirationen auf mohammedanische Länder solchen Solidaritätskundgebungen von Anhängern der verschiedenen Sekten. Aber man hat niemals etwas davon gehört, daß diese Proklamationen zu praktischen Konsequenzen geführt hätten. Vorerst gibt es nur einen Panislamismus der jährlichen Wallfahrten nach den heiligen Städten Mekka und Medina. Darüber hinaus aber zeigt sich heute die völkerverbindende Kraft des Islam nur in Abwehrproklamationen und -aktionen, wie wir sie jetzt in Jerusalem erlebt haben. IV. Von diesen Gegensätzen aus: England gegen Ihn Saud, fbn Saud gegen Irak und Transjordanien, Wüste gegen Kulturland, Wahabiten gegen Sunniten und Schiiten, Sunniten gegen Schiiten — Gegensätze von verschiedener Schärfe müssen die Ereignisse in Palästina beurteilt werden. Der jüdisch-arabische Konflikt ist von der Klagemauer ausgegangen. Wahrscheinlich ist, daß der Groß-Mufti von Jerusalem, Mohammed Amin el Husseini, einen Zusammenstoß gewünscht, mindestens aber nichts getan hat, um ihn zu verhindern. Aus dieser Feststellung ergeben sich eine Reihe von Fragen, die nur formuliert, aber nicht ebenso präzise beantwortet werden können. Erstens: hielt der Groß-Mufti selbst alle Fäden des arabischen Putsches in der Hand, oder hing er selbst an einem dieser Fäden : Zweitens: wenn der Groß-Mufti selbst nur ein Geschobener und Gezogener in der Hand der Engländer war, mit welchen ganzen und halben Zusagen hat man ihn dann geködert? Drittens: besteht ein Zusammenhang zwischen den palästinensischen Unruhen einerseits und dem anglo-ägyptischen Räumungsvertrage, dem für 1932 vorgesehenen Eintritt des Iraks in den Völkerbund und der Aufstandsbewegung gegen Ibn Saud andererseits? Will mit anderen Worten — das Colonial Office den Plan des Middle Eastern Empire unter Vernichtung Ibn Sauds und unter Verwandlung Palästinas in einen militärischen Stützpunkt wieder aufnehmen? Viertens: glaubte dtr Groß-Mufti damit rechnen zu können, daß seine Familie, die zu den ersten des Landes gehört, bei einer etwaigen Neuordnung der Verhältnisse in Palästina eine besondere Rolle zu spielen berufen sei? Fünftens: haben die vornehmen arabischen Familien zusammen mit dem Groß-Mufti den Putsch gegen die Juden begünstigt, weil sie an eine Erschütterung ihrer Macht über Fellachen und Handwerker infolge der von den Juden mitgebrachten 15