Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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zuführen. Die Besetzung des militärisch wichtigen Hafens Akaba am gleichnamigen Golf durch England läßt auch für die Zukunft eine solche Verständigung wenig aussichtsvoll erscheinen. Schon heute aber, und gerade in den letzten Wochen, zeigt sich eine Zuspitzung der Beziehungen zwischen Zentral- und Randarabien. Ueberall — nicht nur in Transjordanien und Palästina — versuchen Beduinenstämme in das bebaute Land einzudringen, um zu plündern und ihre Herden weiden zu lassen. Diese Invasionsversuche sind dank einejr systematischen Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich bisher in den Anfängen stecken geblieben. Da auf diese Weise die Möglichkeit kriegerischer Expansion nach außen erschwert ist, kehrt sich die Unruhe gegen Ihn Saud selbst, d. h. gegen den von ihm erzwungenen Gottesfried jn u id die von ihm mit dem Irak vereinbarte Grenzziehung. Vor einigen Monaten schon hatte sich der Scheich Feisal ed Dowisch gegen Ihn Saud erhoben. Er wurde aber vernichtend geschlagen. Jetzt ist es zu einer neuen gefährlichen Aufstandsbewegung gekommen. Und zwar haben sich die Mutair- und Ajman-Stämme im Norden seiner Hauptstadt Riad und die Ateiba-Stämme östlich von Dschidda gegen ihn erhoben. Nach englischen Meldungen handelt es sich dabei um 60 000 rebellische Beduinen, denen Ibn Saud nur 30000 Mann regierungstreuer Stämme entgegensetzen kann. Wie weit England diese Aufstandsbewegung begünstigt, wissen wir nicht. Daß aber Eng\a.nd ein Interesse daran hat. im Innern Arabiens eine starke und unabhängige Macht nicht aufkommen zu lassen, steht fest. Und daß es im Colonial Office noch immer eine einflußreiche Gruppe mit Lawrence an der Spitze gibt, die den Plan der Errichtung eine* Middle Eastern Empire nicht aufgegeben hat, ist ebenfalls nicht zu bezweifeln. Verwirklicht werden kann aber die Idee eines großarabischen Staatenbundes unter englischem Protektorat nur dann, wenn Innerarabien wieder in den Zustand der Anarchie zurückkehrt, in weichern es >ich vor dem Aufstiege Ibn Sauds befunden hat. III. Zu diesem soziologisch-ökonomischen Gegensat/e /wischen Innerarabien und Randarabien kommt nun noch ein religiöser, besser: ein sektiererischer. Die Beduinen Ibn Sauds sind Wahabiten, sogenannt nach dem Gründer dieser Sekte Mohammed Ibn Abdul Wahab, der um die Mitte des IS. Jahrhunderts gelebt hat. Man vergleicht gewöhnlich die Wahabiten mit Protestanten. Sunniten und Schiiten mit . Katholiken. Dieser Vergleich gibt aber das menschliche und theologische Verhältnis dieser Sekten nur dann richtig wieder, wenn man das Verhältnis von Protestanten und Katholiken im 16. und 17. Jahrhundert dem Vergleich zugrunde legt. Die Wahabiten verwerfen das. was in der islamischen Theologie als Idschma und in der katholischen \!s consensus ecclesiae genannt wird: die Fortbildung der ursprünglichen Lehre durch übereinstimmenden Beschluß der berufenen religiösen Häupter. Die Wahabiten erkennen nur den Koran als verbindlich an. Alle Sekten, die für die Möglichkeit einer Weiterbildung der im Koran niedergelegten Lehre eintreten, sind für sie Ketzer, so wie sie umgekehrt bei den Sunniten und