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Der jüdische Student · 1929-10-01 · Heft 8 (Oktober 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 8 (Oktober 1929)
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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gesetzter religiöser, sozialer, wirtschaftlicher und geographischer Grundtatsachen, der durch die Vertreibung Husseins nicht etwa endgültig entschieden ist, der vielmehr unter dem Scheine äußerer Beruhigung und Befriedung unverändert fortbesteht. Dafür sprechen mancherlei Erfahrungen und Ueberlegungen. Die Feindschaft zwischen den Beduinen Innerarabiens und den Fellachen Randarabiens ist uralt. Es ist der unversöhnliche Gegensatz zwischen „the desert and the grown''. Solange Nomaden während der trockenen Jahreszeit ihre Herden auf die Aecker und Weiden der ansässigen Fellachenbevölkerung zu treiben versuchen, und die Fellachen dies nicht zulassen wollen, muß zwischen beiden Todfeindschaft herrschen, und diese Feindschaft verliert auch dadurch nicht an Kraft, daß beide Allah nebst seinem Propheten Mohammed verehren und gemeinsam die arabische Halbinsel bewohnen. Für diesen Konflikt zwischen den Beduinen Inner- und den Fellachen Randarabiens gibt es in Europa keine Parallele. Er wird daher von den europäischen Beobachtern regelmäßig übersehen. Auch Hans Kohn, in dem Bestreben, im Orient etwas wie eine „nationale Bewegung'4 nach europäischen Vorbildern wiederzufinden, übersieht oder ignoriert diesen vom Standpunkte der materialistischen Geschichtsauffassung ganz unübersehbaren Gegensatz. An eine Ueberwindung dieser natürlichen Feindschaft ist nur dann zu denken, wenn die Beduinen sich entschließen sollten, ihre nomadische Lebens- und Wirtschaftsweise aufzugeben und ackerbautreibende Fellachen zu werden. Aber der bloße Entschluß genügt nicht, solange keine Aussicht besteht, die wichtigsten oasenlosen Gebiete Innerarabiens durch Bewässerung von den natürlichen Niederschlägen unabhängig zu machen. Etwas anderes kommt hinzu. Es ist Ibn Saud gelungen, unter seinen Leduinenstämmen eine Art von Gottesfrieden zu stiften, der in doppelter Beziehung für die Fellachenstaaten Randarabiens gefährlich ist. Denn weder ist es ibn Saud gleichzeitig gelungen, die Raublust und den kriegerischen Geist seiner Stämme zu beseitigen, noch konnte er ihnen als Ersatz Mesopotamien, Syrien und Transjordanien für Krieg und Raub freigeben. Weiter: es fehlt an zahlenmäßigen Unterlagen für die Beurteilung der Bevölkerungsentwicklung im Innern Arabiens unter dem friedlichen Regime ibn Sauds. Aber mancherlei Anzeichen sprechen dafür, daß in den letzten Jahren eine starke Bevölkerungszunahme stattgefunden hat/ Nun versucht /war Ibn Saud durch Erweiterung der Oasenwirtschaft den sich daraus ergebenden Gefahren entgegenzuarbeiten. Aber niemand kann heute mit Sicherheit sagen, ob es auf diese Weise nicht eines Tages im beduinischen Arabien zu einer großen Explosion kommen wird, die sich zwar zuerst gegen das Jemen, dann aber gegen Mesopotamien, Syrien und Transjordanien richten wird. Ob sich England und Frankreich über die Gefahren klar sind, die ihren Mandatsländern aus dem Innern Arabiens drohen, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. Tatsache ist, daß der jetzt verstorbene High Commissioner des Irak, Sir Gilbert Clayton, jahrelang sich vergebens bemüht hat, eine Generalverständigung zwischen Ibn Saud und England herbei- 12

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