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Der jüdische Student · 1929-10-01 · Heft 8 (Oktober 1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 8 (Oktober 1929)
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Verhängnis? Von der Beantwortungdieser Frage wird es abhängen, wie wir uns in Zukunft zur arabischen Welt zu verhalten haben. Zunächst ist zu sagen, daß England vor einigen Jahren in seinen Beziehungen zur arabischen Welt eine ähnliche Ueberraschung erlebt hat, ohne dadurch allerdings so unmittelbar betroffen zu sein wie wir. Das kam so: Im März 1Q21 übernahm Winston Churchill das Colonial Office. Kaum war er installiert, als er schon daran ging, seinen Traum eines Middle Eastern Empire zu verwirklichen. In diesem Sinne berief er für die Ostertage eine Konferenz seiner Orientexperten nach Kairo, um die Throne Randarabiens zu verteilen. Vertreten waren u. a. Sir Percy Cox, der zu jener Zeit in Bagdad residierte, weiter Thomas E. Lawrence, der den „Aufstand in der Wüste" angezettelt hatte und mit Feisal als Sieger in Damaskus eingeritten war, und schließlich Miß Gertrud Bell, eine ausgezeichnete Kennerin arabischer Verhältnisse, die in Mesopotamien den arabischen Staatenbund vorbereitete. In dieser Konferenz der besten Orientkenner, die das British Empire besaß, wurden die Einzelheiten der kommenden Ordnung festgelegt. Feisal, der von den Franzosen aus Damaskus verjagte König von Syrien, sollte König von Mesopotamien, sein Bruder, der verschwenderische Abdullah, König von Transjordanien werden. Der Vater der beiden neuen Könige, Hussein, König von Hedschas und Herr über Mekka und Medina, aus dem Stamme der Kureisch, aus dem Mohammed hervorgegangen war, aber würde das von England unsichtbar beherrschte Haupt des randarabischen Staatenbundes sein, lieber das Verhältnis Palästinas zu der neuen Kombination war man sich wegen der Balfour-Deklararion noch nicht klar. Um so deutlicher sah man voraus, daß Syrien — Frankreich als Mandat zugesprochen — auf die Dauer dem Drucke dieser proenglischen Kombination von Norden und Süden nicht würde widerstehen können. Das waren die Umrisse des Middle Eastern Empire, das die Herrschaft Englands über die arabische Welt und, mit Hilfe des Herrn von Mekka und Medina, über den Islam sichern sollte. Man kann angesichts der unzweifelhaften Qualitäten jener Orientexperten nicht sagen, daß dieser Plan am grünen Tisch entstanden sei, auch wenn dabei ein gehöriges Maß an Abenteurer-Romantik mitgespielt hat. Und doch ist sie gescheitert; und zwar in einer Weise, die zeigt, daß Arabien auch für den kaltblütigsten und gewiegtesten Orientkenner, der über alle Mittel der Erkenntnis und' Machtentfaitung verfügt, Ueberraschungen und Ueberrumpelungen in Bereitschaft hält. Ob man sich bei dieser als Beginn einer neuen Zeitrechnung im Orient gedachten Konferenz in Kairo überhaupt die Frage vorgelegt hat, wie wohl der Herrscher Zentralarabiens, Ihn Saud, auf diese Machtentfaltung der Familie seines notorischen Feindes Hussein reagieren würde, oder ob man ihn, trotz der Warnungen Philbys vernachlässigen zu können glaubte, nachdem man ihm 35 000 Gewehre geliefert und eine jährliche Subvention von 60 000 Pfund ausgesetzt hatte, wissen wir nicht. Tatsache ist, daß die Verwirklichung des Planes an dieser Unterschätzung Ihn Sauds durch. Winston Churchill und seinen Prokonsuin gescheitert ist. Man muß auf Grund der späteren Ereignisse annehmen, daß der Plan, das Middle Eastern Empire unter englischem Protektorat durch Vernich- 10

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