Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen haben, daß auf Tagungen der „Liga für Freiheit und Friti\tn und gegen koloniale Unterdrückung" ihnen die Sympathie der Teilnehmer gehört hat. Saily Hirsch: Wir müssen unbedingt /u einer Verständigung mit den Arabern kommen, und nicht erst warten, bis wir eine Mehrheit im Lande* haben. In der Frage des Parlaments müssen wir un> mit den Araber» einigen, und diese Forderung mit entsprechenden Garantien für uns unterstützen. Wir müssen die Dinge verankern, die im Weißbuch niedergelegt sind. Jonas: Ich möchte protestieren gegen jede Herausbildung einer Dolchstoßstimmung, einer Stimmung, die in jedem Falle in unserem Lager eine Schuld an diesen Ereignissen sucht. Eine Verständigung mit den Arabern kann nur erreicht werden durch Interessengemeinschaft, und nicht au* irgendwelchen Sentiments heraus. Senator: Wir Juden kommen nach Palästina als Europaer, die Araber aber sind ein vorderasiatisches Volk, also sind die Kulturvor^tellungen völlig verschiedene. Wenn wir Palästina wollen, so müssen wir es mit den Aiabem wollen. Wir wollen es nicht gestutzt auf Bajonette haben. Wir müssen jetzt eine Hilfsaktion machen für durch die Ereignisse geschädigte Araber und geschädigte Juden. Was mich geschreckt hat, ist nicht die Gefährdung der Lage in Palästina, sondern die Gelährdung der hiesigen Lage. Hans Bloch: Wir haben einen sittlichen Anspruch auf Palästina, den wir durchsetzen müssen. Was Weizmann jetzt tun muß, ist darum gefahrlich, da er in kurzer Zeit das durchsetzen muß, was eine revisionistische Politik in jahrelanger Arbeit hat durchsetzen wollen. Er hat seine Organisation und sein Volk getäuscht. Die anderen wollen eine nationale Bewegung ohne Nationalismus. Die nationale Grundidee ist die Basis des Revisionismus. Löwenstein ergreift das Schlußwort: Ich habe davon gesprochen, daß es in Deutschland in den politischen Ansichten nur zwei extreme Ansichten gibt: Ihr habt Senator und Bloch als deren Repräsentanten gehört. Wir sind Menschen, keine Doktrinäre, und können nicht an den Grabern unserer Gefallenen vergessen, daß wir überfallen worden sind. Wir wollen wahrhaftig nicht aus Liebe, sondern aus der Erkenntnis der Notwendigkeit für uns einen Modus vivendi mit den Arabern zu finden suchen. Gerade weil wir den ganzen und vollen Zionismus wollen, ist die Ueberbr.ickung der Kluft zwischen Juden und Arabern erforderlich. Palästina und die arabische Welt. Von Justus Schloß (V. J. St. Kadimah A. H., Berlin). Jeder, der mit dem Osten vertraut ist, weiß, wie Kompromisse, die augenscheinlich mit der Gewalt abgeschlossen werden, auf orientalische Geister wirken. Sie werden unfehlbar als Schwäche oder Furcht ausgedeutet.** Times, 2S. August 1920. I. Wir haben uns in Palästina uberraschen lassen. Es entstellt die Frage: liegt schuldhafte Versäumnis vor oder ein durch die Unübersichtlichkeit der Verhältnisse in Arabien unvermeidliches und unvorhersehbare; 3*