Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ein schwerer Fehler, daß infolge der Kürzungen des Budgets die politische Arbeit in Jerusalem zu stark eingeschränkt wurde. Colonel Kisch ist für den Keren Hajessod ins Ausland gesandt worden, und die politische Arbeit in Jerusalem hörte auf. Diese ganze Araberpolitik beschränkte sich auf die Tätigkeit eines Uebersetzungsbüros arabischer Zeitschriften. Auf Seiten des Brith Schalom sehen wir nur eine dauernde Wiederholung derseben "Deklarationen, aber kaum eine praktische Andeutung, was man zu unternehmen habe. Die einzigen Anfangsversuche, die heute vorhanden sind, sind der Versuch der jüdischen Arbeiterschaft, mit der arabischen Arbeiterschaft Kontakt zu bekommen. (Irgun meschutaf «JlttlPö JlJny). Es gibt Möglichkeiten, durch berufliche Organisationen in Fühlung mit den Arabern zu kommen. Ich sage nicht, daß dies die Lösung der Frage sei. Aber es sind doch zumindestens Versuche. Eins aber ist sicher, daß die Lösung der Araberfrage von unserer Seite aus allmählich und systematisch ins Werk gesetzt werden muß. Was heute fehlt, ist auch der primitivste menschliche Kontakt zwischen Juden und Arabern. Die Tatsache, daß heute Blut geflossen ist, kann nichts ändern an der Tatsache, daß in Palästina zwei Nationen miteinander leben müssen. Bbr. Ludwig Mayer dankt für das Referat. Betont, daß es in dem Sinne gehalten ist, in dem wir diesen Abend führen wollen. Er hofft, daß die Diskussion, die eine freie Aussprache in einem verantwortungsbewußten Kreise ist. zu einer Klärung führen wird über das, was gewesen ist und das, was sein muß. (Anschließend geben wir die Diskussion in kurzen Auszügen wieder.) Bbr. Wunderlich betont, daß er sich mit den Ausführungen von Bbr. Löwenstein identifiziere. Wir wollen Palästina, und wir können verstehen, daß die Araber, die heute die Herren des Landes sind, die Herrschaft mit uns nicht teilen wollen. Unsere Politik muß darum so sein, daß im Schutze von jüdischen Gewehren unsere Aufbauarbeit friedlich fortschreiten kann. Er glaubt, daß nur durch eine Aenderung der Leitung der Zionistischen Organisation dieser Weg gegangen werden kann. Bbr. Bileski: Die erste Aufgabe, die wir in unserem Kreis zu erledigen haben, ist jetzt Selbstbesinnung. An den Vorgängen in Palästina trifft uns im bestimmten Maße eine Mitschuld. Wir hätten die Klagemauerangelegenheit nicht zum Ausgangspunkte eines Streites mit den Arabern werden lassen dürfen. Getäuscht haben wir uns nur in der Garantie, die England für unser Werk bietet. Der Schutz Palästinas muß sichergestellt werden. Um den Weg zu einer Verständigung mit den Arabern /u gehen, müssen wir das Weißbuch als Grundlage unserer zukünftigen Politik machen. Wir müssen die Engländer veranlassen, eine dem Mandat entsprechendere Politik zu fuhren, und wir können das, wenn wir ihnen zeigen, daß wir zur -Einigung mit den Arabern bereit sind. Gronemann: Die Schuld für die Ereignisse in Palästina sind nicht unsere Tehier, sondern unsere Erfolge. Unsere Situation ist durch die Ereignisse in nichts geändert worden, sondern sie ist uns nur klarer gemacht. Wir sind nach wie vor für eine Verständigung mit don Arabern. Kurt Mayer: Unser Fehler ist, über die Vorgänge im arabischen Lager unorientiert zu sein. Die Araber haben erst den Angriff gewagt, als sie ge-