Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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klären, obwohl dies aus amtlichen Dokumenten möglich war. Als im Jahre 1923 Samuel wegging, hat er in seinem Schlußbericht mit einer Deutlichkeit, die nicht zu übertreffen ist, den Standpunkt der Palastinaregierung zur Frage des Nationalheimes klargelegt. Es heißt dort: Juden und Araber beschweren sich, daß England für sie nicht genügend tut. Die jüdischen Beschwerden sind weitgehend richtig. England hat für das Jüdische Nationalheim praktisch nur drei Dinge getan: die Baifour- Deklaration gegeben, die hebräische Sprache als eine der offiziellen Sprachen des Landes anerkannt, und die Ruhe und Sicherheit im Lande hergestellt; im übrigen aber das Nationalheim sich selbst entwickeln lassen. Wie die Regierung die Sicherheit des Landes wahrt, haben wir in den letzten Wochen schaudernd gesehen. Aus diesem Schlußbericht geht klar hervor, daß die Politik, die die Regierung getrieben hat, im Widerspruch mit den Verpflichtungen steht, die sich aus der Balfodr-Dekiaration ergeben. Der XV. Kongreß hat eine Resolution angenommen, derzufolge eine Aenderung der Politik verlangt wurde, eine aktive Aufbauförderung. Ob diese Resolution Grundlage der politischen Arbeit geworden ist, weiß ich nicht. Aber eine Aenderung in der Politik ist nicht eingetreten. Die Regierung gibt ständig den arabischen Forderungen nach. Es ist ein großer Irrtum zu glauben, daß, wenn der Araber eine Sache fordert und England sie ihm gibt, er dadurch befriedigt wird. Heute fordert er das Parlament. Es ist klar, daß das Parlament heute und in demokratischen Formen identisch ist mit dem Verzicht auf den jüdischen Aufbau. Vielleicht findet sich ein Weg, der unsere Interessen wahrt und zugleich eine demokratische Entwicklung des Landes anbahnt; dann sollte man ihn beschreiten. Noch eine Bemerkung: Es ist richtig, aus taktischen Gründen, in unseren jetzigen Resolutionen zwischen Palästinaregierung und englischer Zentralregierung in London zu unterscheiden, aber in Wirklichkeit besteht zwischen ihnen kein Unterschied. Sie sind identisch. Die jetzige Politik ist die von London gewollte und in Palästina durchgeführte Politik. Gibt es eine andere zionistische Außenpolitik als die offizielle? Ich sehe noch kein klares Programm dafür, auch nicht bei den Revisionisten. Niemand ist gegen ein kolonisatorisches Regime, aber welche Chance besteht zur Durchsetzung einer so weitgehenden Forderung, obschon die weit gemäßigteren Forderungen der gegenwartigen Leitung nicht durchsetzbar erscheinen. Im übrigen scheint die Exekutive in diesem Augenblick den Versuch zu machen, mit größerer Entschiedenheit als bisher aufzutreten: das Verlangen, alle mit der Balfourerklärung nicht einverstandene Beamten zu entfernen, ist eine ziemlich energische Forderung. Ich begrüße diese entschiedene Haltung, auch wenn sie, womit gerechnet werden muß, keine Erfolge hat. Jedenfalls ist der Augenblick zu großzugiger Aufklärungsarbeit geeignet. Die arabische Frage. Bis heute kann man von einer Politik den Arabern gegenüber überhaupt nicht sprechen. Es gibt kein Programm einer arabischen Politik. Wir kennen nur die offiziellen Deklarationen der Kongresse, daß wir mit den Arabern in Frieden und Freundschaft leben wollen. Mehr ist in dieser ganzen Angelegenheit nicht unternommen worden, und es ist 3