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Der jüdische Student · 1929-10-01 · Heft 8 (Oktober 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 8 (Oktober 1929)
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Zwischen diesen beiden Arten von Schuldfragen muß unterschieden werden. Hier müssen wir uns fragen, ob wir falsche Politik getrieben haben. Einige kurze Bemerkungen über die Klagemauerangelegenheit: Mir scheint, daß eine ungeheure Unkenntnis der Tatsachen in dieser Frage bei uns herrscht. Es ist ein Unterschied, ob wir von einem Recht an dem Platz vor der Mauer sprechen, oder von dem Recht auf die Klagemauer. Das scheinbare Erheben eines Anspruches auf die Klagemauer hat uns in dieses Unglück mit hineingezogen. Juristisch ein Recht auf diese Mauer zu verlangen, bedeutet Anspruch erheben auf ein Stück des Heiligtums des Islam. An dieser Forderung haben wir kein Interesse. Das Interesse, das wir gehabt haben, ist das Recht der Benutzung des Platzes vor der Klagemauer, der alten Gebetstelle der Juden. Die Regierung hat diese Klagemauerangelegenheit mit juristischem Formalismus behandelt, anstatt eine politische Entscheidung zu treffen. Wir haben uns von den Gegnern auf ein Terrain locken lassen, das für sie sehr günstig und für uns ungünstig ist: auf das religiöse. In der Zukunft müssen wir in dieser Frage eine zurückhaltende Stellung einnehmen, müssen an eine wirkliche Wiederherstellung des Status quo denken. Wir haben nur zu fordern, daß die freie Gebetsausübung an der Klagemauer gesichert werde; und diese Forderung kann durchgesetzt werden. Aber es wäre falsch, zu vergessen, daß die Klagemauer nur AnJaß, nicht tiefere Ursache des Ausbruchs war. Diese Ursache liegt in der Politik der Palästinaregierung, in den ganzen letzten Jahren, für die das Verhalten in der Klagemauersache nur ein Schlußpunkt war. Wie war diese Palästinapolitik Englands und wie war unsere Politik gegenüber England? Es gibt über unsere politische Situation zwei extreme Ansichten, und manchmal scheint es, als ob es nur diese Extreme gibt. Auf der einen Seite sagt man: unsere politische Situation ist unendlich schwach, unsere Aussichten, etwas zu erreichen, sind gering, die Weltstromungen sind gegen uns, alle unsere Forderungen sind nutzlos. Auf der anderen Seite: eine Anschauung, die auch nicht etwa mehr Vertrauen zu unseren eigenen Kräften zeigt, und die besagt: nur ein'e vollkommene Aenderung der britischen Palästinapolitik im Sinne eines „k o 1 o n i - satorischen Regimes" kann den Aufbau Palästinas ermöglichen, und diese Aenderung ist in England durchzusetzen, wenn wir richtig zu fordern verstehen. Eins ist sicher: es ist die Ansicht des gesamten Jischuw, nicht etwa nur der Revisionisten, daß die Politik, die England in den letzten zehn Jahre« geführt hat, nicht zu vereinbaren ist mit den Verpflichtungen, die es im Mandat übernommen hat. Aber auch darin besteht Uebereinstimmung in Palästina, daß unsere eigene Politik schwächlich und ohne Vertrauen zum Resultat dieser Arbeit geführt hat. Ich erinnere an die Frage der Gendarmerie, des transjordanischen Grenzkorps, und hier spreche ich von einer Schuld im innerzionistischen Sinne. Es ist nicht mit Nachdruck versucht worden, unsere Stellung zu halten oder zu festigen. Man hat sich nicht genügend bemüht, die Zionisten über den wahren Charakter der britischen Palästinapolitik aufzu-

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