Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Protokoll des Ausspracheabends des Berliner Kartells über die Ereignisse in Palästina vom 2. September 1929. Der vom Präsidium zusammengerufene Ausspracheabend des Berliner Kartells in dem Gartensaal der Kleistloge war von ungefähr 400 Bundesbrüdern besucht. Bbr. Ludwig Ma y e r eröffnete den Abend, begrüßte die erschienenen Bundesbrüder und gedachte der Gefallenen in Erez-lsraei. Zur einleitenden Ansprache nahm Bbr. Kurt Tue hier das Wort: Wir wollen heute Abend eine freie Aussprache unter uns Bundesbrüdern über die Ereignisse in Palästina, die uns betroffen haben. Alle Schrecken, alle Aengste können uns nicht hindern, Palästina /u wollen. Wir wollen uns frei über alles aussprechen und uns nicht früher beruhigen, als die ungesicherten Juden im Lande. In uns allen muß der Wille erneut lebendig werden, stärker als bisrfer an dem großen Werk mitzuhelfen, das von allen Zionisten getragen werden muß. Wir stehen bis ans Ende zu dem Aufbau, bis ans Ende heißt nicht nur bis an das persönliche Lebensende, sondern bis zur Beendung des Werkes, das Herzi begonnen hat und Weizmann fortführt. Der Referent des Abends, Bbr. Fritz Löwenstein, führte aus: Ich habe das heutige Referat mit schweren inneren Bedenken übernommen, denn was kann Sinn und Zweck des heutigen Abends für uns sein? Informationen sind nicht erforderlich; die Nachrichten der Presse, der Ita sind uns allen bekannt. In diesen Tagen haben wir begonnen, yi allen Städten politische Kundgebungen zu veranstalten, um dem deutschen Judentum zu sagen: es geht weiter, und es wird weiter gehen. Wir müssen unserer Exekutive so weit als möglich den Rücken stärken, diejenigen Forderungen unterstreichen, die sie selbst in London stellt. Aber das alles ist hoffentlich hier nicht nötig. Es haben Zusammenkünfte zionistischer Funktionäre und Aussprachen im engen Kreise stattgefunden, in denen es zu kleinlichen Beschuldigungen kam. Auch dafür ist hier nicht der Platz. In dieser Situation darf es nur eine» geschlossene, einheitliche zionistische Front gegenüber der Außenwelt geben. Auch hier, unter uns, müssen wir einen Weg der offenen Aussprache beschreiten. Man darf den Burgfrieden nach außen nicht dahin verstehen, daß man nach innen nicht zu kritisieren wagt. Der Sinn der Vergangenheit ist es, für die Zukunft zu lehren. Was hat zu geschehen, was haben wir zu fordern? Alle diese Fragen sind nicht neu, sie sind identisch mit den Fragen der letzten zehn Jahre der zionistischen Bewegung. Schuldfrage: ihr alle kennt diese? Wort vom Weltkriege her. Dieselbe Frage entsteht bei uns. Ich möchte darauf hinweisen, daß hier zwei völlig verschiedene Begriffe durcheinandergeworfen werden. Wer hat diese Unruhen verursacht? Mit tiefster Ueberzeugung sage ich, in jede Untersuchung über diese Fragen können wir mit reinem Gewissen gehen. Wir haben die Unruhen nicht verursacht und bestimmt nicht durchgeführt. Jetzt kommt die andere Frage, eine politische, zionistisch interne Schuldfrage, ob wir durch Fehler, taktische, grundsätzliche, falsche Beurteilung*, Dinge getan haben, durch die unsere Situation sich verschlechtert hat. 2* 5