Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1929-06-01 · Heft 6 (Juni 1929) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 6 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 35)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537802-3537807--7219-3545257
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

bringen. In guten Jahren haben wir Zionisfen aliein in Amerika diese» Betrag aufgebracht. Wo sind die ungeheuren neuen Chancen, mit denen man uns jahrelang betört hat? Man spricht davon, daß in Amerika in Zukunft die Sammlungen für Palästina vereinigt werden sollen mit den Sammlungen für den Joint, zu einem großen gemeinsamen Appeal; damit würde noch die letzte Möglichkeit entfallen, zionistische Ideen bei der Geldpropaganda zu vertreten, und alles, Hilfsarbeit, Palästina, Zionismus würde in einen Topf geworfen, in den großen Topf der jüdischen Philanthropie. Jahrelang haben unsere Zionisten in Amerika innerjüdisch gegen Marshall gekämpft; es wär der Kampf des American Jewish Congress gegen das Notäbeln-Comite des American Jewish Committee; es war der Kampf der Demokratie gegen die Bevormundung der jüdischen Massen durch einzelne Notabein. Alles wird jetzt preisgegeben. Wir haben Marshall zum anerkannten Fuhrer des jüdischen Amerika erhoben, und es ist nur eine notwendige Folge, daß der American Jewish Congress in seiner letzten Session beschlossen hat, Marshall zu bitten, sich mit ihm zu versöhnen und zu vereinigen. So wird es in Zukunft weitergehen müssen; eine Position nach der anderen in der jüdischen Politik werden wir räumen müssen, und am Ende des Weges, den wir jetzt mit dieser Agency-Politik gehen, steht nicht das regenerierte und nationalisierte jüdische Volk mit seinem nationalpolitischen Kampf in allen Ländern der Welt und der Gründung seines souveränen Heimes in Palästina als Krönung dieses Befreiungskampfes, sondern am Ende dieses Weges steht ein entpolitisiertes Judentum der Diaspora, das ein bißchen Geld gibt für Philanthropie und für Palästina, damit dort notleidende Juden in besseren oder schlechteren Bedingungen kolonisiert werden. 3. Ich will über die dritte gestellte Frage hier nicht mehr im einzelnen mich äußern, da ich heute noch keine Antwort auf die Frage weiß. In welchem Verhältnis sollen in Zukunft Zionistische Organisation und Jewish Agency zueinander stehen? Das müssen die beantworten, die die unselige Konzeption der erweiterten Agency proklamiert haben. Ich sehe für die Zionistische Organisation auf die Dauer keine Existenzmöglichkeit, wenn die erweiterte Agency funktionieren wird. Wenn der Kongreß keine bindenden Beschlüsse mehr fassen kann, wenn das Budget für Palästina der Council der Agency beschließt, was soll noch Inhalt und Bedeutung des zionistischen Kongresses sein? Glaubt man wirklich, daß die so heterogenen Fraktionen und Gruppen, die sich heute in der Zionistischen Organisation vereinen, noch beisammen bleiben und zum Kongreß kommen werden, wenn dieser faktisch nichts mehr zu beschließen hat? Glaubt man, daß für die große jüdische und nichtjüdische Welt der Kongreß seine historische Bedeutung als die politische Tribüne des jüdischen Volkes behalten wird, wenn auf diesem Kongresse nichts weiter geschehen wird, als bessere oder schlechtere Referate zu halten? Man verschone uns mit Phrasen von der Erneuerung der Zionistischen Organi- 3&

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.