Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionistische Organisation wiederum in den Status als Jewish Agency eingesetzt werden soll. Die englische Regierung, von der dies abhängt, ist scheinbar bereit, dem zuzustimmen; aber nun entsteht die Frage, wann die erweiterte Agency als aufgelöst gelte. Wir forderten, daß, da die Erweiterung der Agency eine Abmachung zwischen zwei Parteien darstelle, den Zionisten und Nichtzionisten, jede dieser Parteien das Recht haben solle, aus der Agency wieder auszutreten, wodurch dieselbe als aufgelöst zu gelten habe. Die Nichtzionisten lehnen es aus begreiflichen Gründen ab. Das Actions-Comite hat sich damit einverstanden erklärt, daß eine qualifizierte Majorität des Councils der erweiterten Agency die Auflösung zu beschließen habe; d.h. also, auch wenn die Zionistische Organisation einmütig zu der Erkenntnis gelangen sollte, daß die Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten unfruchtbar sei, daß sie die zionistischen Forderungen gefährde, die Erhöhung der Geldeingänge nur minimal sei und ein Austritt aus der erweiterten Agency notwendig sei, wird dieser nicht zu vollziehen sein, solange nicht ein beträchtlicher Teil der Nichtzionisten dem zustimmt Nachdem man also jahrelang die Erweiterung der Agency als einen Versuch, der einmal gemacht werde müsse, der zionistischen Oeffentlichkeit mundgerecht gemacht hat, zeigt es sich jetzt, daß die Erweiterung faktisch ein unwiderruflicher Akt ist, eine unauflösbare Bindung darstellt und die Trennung von den Nichtzionisten nur möglich sein wird, wenn dieselben damit einverstanden sein werden. Ich greife einen anderen Punkt heraus. Die früheren Kongresse haben beschlossen, .daß die Wahlen zur Agency demokratisch durchgeführt werden müssen. Da facto aber werden die nichtzionistischen Vertreter der Agency in vielen Ländern in einer Weise delegiert und — richtiger gesagt — ernannt, die allen elementaren Grundsätzen der Demokratie Hohn spricht, in Amerika wird Herr Marshall die 44 Delegierten ernennen; in Deutschland, in Polen und anderen Ländern werden die Vertreter durch irgendwelche Comites bestimmt werden. Es kann keine Rede da\Ton sein, daß so zustandegekommene Delegationen wirklich die jüdische Bevölkerung ihrer Ländern repräsentieren. Jahrzehntelang haben wir Zionisten für Demokratie und gegen NotabelnWirtschaft im jüdischen Leben gekämpft; mit welchem moralischen Recht werden wir es in Zukunft tun können und beispielsweise in jüdischen Gemeinden für weitgehende Demokratisierung kämpfen können, wenn man uns mit Recht vorhalten wird, wie wir die Konstituierung der Agency vollzogen haben, durch Methoden, die schon seit 30 Jahren im jüdischen Leben durch unsere Wirkung nicht mehr üblich sind? Ich will hier nicht auf zahlreiche andere Einzelfragen eingehen, wie zum Beispiel das Recht der „proxies", das heißt der Kumulation von Stimmen bei einzelnen Delegierten des Councils der Agency, was gewissermaßen die Einführung des Aktionärprinzips (soviel Aktien, soviel Stimmen) in die parlamentarische Körperschaft, die die Agency darstellt, bedeutet; Einzelfragen, die alle dasselbe beweisen, den völligen Verzicht auf grundlegende Forderungen und Prinzipien zionistischer Politik bei diesem Prozeß der Erweiterung der Agency. Und zum Schluß sei noch auf ein letztes hingewiesen. Die finanziellen Hoffnungen, die man an diese Erweiterung geknüpft hat, 34