Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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sation, die jetzt beginnen werde. Es gibt eine Grenze auch für jeden Selbstbetrug. Bleibt die erweiterte Agency bestehen und erweist sie sich als lebensfähig, dann wird es auf die Dauer nur eine Aufgabe geben: diese Agency zu demokratisieren und aus ihr eine Art neuer jüdischer Volksbewegung und Volksorganisation zu machen, die die Rolle der zionistischen übernehmen wird. Beide nebeneinander werden auf lange Sicht nicht bestehen können. Erweist sich das Projekt der erweiterten Agency als wirklich durchführbar — und dies werden die nächsten Jahre zeigen — dann bedeutet der Sieg dieser Konzeption das Ende der Zionistischen Organisation. Ich glaube nicht daran. Ich glaube, daß diese Konzeption sich schließlich selbst ad absurdum führen wird, und darum muß alles geschehen, um die Rechte der Zionistischen Organisation vorläufig zu wahren und die Gefahren der Agency-Konzeption auf ein Minimum zu beschränken. Dies zu tun, ist die Aufgabe der Stunde; und ich glaube, daß die Gegner der Agency-Konzeption berufener und vertrauenswürdiger sind in der Erfüllung dieser Aufgabe, eine letzte Rettung der Organisation zu versuchen, als diejenigen, die zwar im Namen der zionistischen Idtale sprechen, dauernd ihre Treue zur Organisation proklamieren, in Wahrheit aber seit Jahren bereit sind, jede Forderung der Nichtzionisten zu erfüllen und auf dem Wege des Kompromisses die zionistische Ideologie preiszugeben, den zionistischen Willen zu lähmen und die Zionistische Organisation zu Grabe zu tragen. Oscar Nathan. Still, unhörbar leise, wie er in den letzten Jahren leben mußte, ist Oscar Nathan von uns geschieden. Als ob er in letzter Bescheidenheit niemandens Nachtruhe stören wollte, ist er in der Einsamkeit des Schlafwagens verblichen — und war hoffnungsfroh ausgezogen, der südlichen Sonne entgegen. Er sollte das Reiseziel nicht erreichen — wie er im Leben den Weg sah, aber die Erfüllung nicht genießen durfte. Er wollte ein Diener am Licht sein, er hatte die Fähigkeit, ein Fackelträger zu werden, der seinem Volke vorausziehen sollte in die Zukunft. Er sah den Fluß und das Land — und mußte c^rdgebannt bleiben, wo seine Sache litt. Das Wort war ihm untenan, wie wenigen von uns; das Schicksal aber nahm die Kraft der Stimme von ihm und sein heiliges Pathos schwand aus den Hallen der Jugend. Oscar Nathan wrar ein Idealist von reinster Prägung. Er kannte in judischen Dingen kein Kompromiß und keine politischen Notwendigkeiten. So war er in jungen Jahren der Führer im Streit für die Durchsetzung des nationalen Gedankens in der damals neutralen Jugendbewegung. So blieb er nur-politischer Zionist, als längst praktische Gegenwartsarbeit Tendenzsorgen überschattete. Und so wollte er vor allem das Kartell davor bewahren, eine Parteitruppe zu werden und aufzuhören, ein auf Herz und Verstand wirkender Bruderbund zu sein. In diesem Ideal wußte Oscar Nathan sich einig mit einer kleinen Scliar enger Freunde, denen er die Treue hielt durch die Jahrzehnte. Er war m