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Der jüdische Student · 1929-06-01 · Heft 6 (Juni 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 6 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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ob man sich auf diesen Terminus festlegen will oder nicht; der Gedanke der menschlichen und sozialen Erneuerung des jüdischen Menschen und des jüdischen Lebens in Palästina, all diese Grundgedanken der zionistischen Ideologie sind in der letzten Epoche des Zionismus immer mehr und mehr abgeschwächt worden, und in weiten Kreisen der Bewegung werden sie kaum noch ernsthaft und radikal vertreten. Statt dessen macht sich vielfach ein oft falsch verstandener Achad Haamismus geltend, für den Palästina in erster Reihe ein kulturelles und geistiges Zentrum werden soll, was zur Folge hat eine Preisgabe der Forderung einer jüdischen Majorität in Palästina, den Verzicht auf den Gedanken der jüdischen Souveränität und eine völlige Indolenz gegenüber dem nationalen Freiheitskampf im Galuth. (Es sei hier nur beiläufig bemerkt, daß die Vertreter dieser Richtung nicht das geringste Recht haben, im Namen Achad Haams zu sprechen, für den das geistige Zentrum immer verknüpft war auch mit dem Gedanken eines politischen Zentrums, und der vor allem für die nationale Renaissancebewegung im Galuth, auch in ihrer politischen Ausdrucksform, weitgehendes Verständnis gehabt hat) Dieser Verfall der zionistischen Ideologie, der zur Folge hat eine Schwächung des politischen Willens der Zionisten, macht sich seit vielen Jahren bereits in ganz konkreter Weise bemerkbar. Nicht nur haben alle Gegner der politischen Forderungen des Zionismus innerhalb der englischen Regierung, der englischen Administration in Palästina und der englischen öffentlichen Meinung in diesem falschen Achad Haamismus eine willkommene Stütze für ihre Ablehnung unserer politischen Zielsetzungen, sondern darüber hinaus muß naturgemäß die politische Stoßkraft der Bewegung und die Energie in der Vertretung unserer politischen Forderungen seitens unserer leitenden Instanzen durch diese gefährliche Tendenz außerordentlich leiden. Darüber hinaus aber muß diese Richtung, wenn sie siegen sollte, zu einer völligen Preisgabe der Position führen, die der Zionismus in vierzigjährigem Kampf hn jüdischen Volke errungen hat. Sie müßte den Verzicht der zionistischen Bewegung auf ihre Stellung als Führerin des jüdischen Volkes in seinem politischen Befreiungskampf in allen Ländern der Diaspora bewirken, und andere Parteien und Gruppen werden dann die Position des Zionismus okkupieren. Damit aber würde der Zionismus sein Recht verlieren, im Namen des jüdischen Volkes zu der internationalen Oeffentlichkeit zu sprechen, und es ist ein verhängnisvoller Irrtum kurzsichtiger Tagespolitiker, zu glauben, daß man auf die Dauer nur mit dem reinen Gedanken der Palästina-Kolonisation das jüdische Volk auch nur für den Palästina-Gedanken mobilisieren könnte. Die Massen des jüdischen Volkes werden in ihrem täglichen Kampf um ihre nationalen und kulturellen Rechte sich anderen Gruppen zuwenden und damit auch unserem Palästina-Gedanken entfremdet werden. Aber auch vom Standpunkt des Aufbauwerkes gesehen, würde natürlich die Preisgabe des letzten politischen Zieles in Palästina und seine Ersetzung durch das harmlose Programm einer Ansiedlung notleidender Juden in Palästina dem Palästina-Gedanken selbst jede historische Bedeutung und jene faszinierende Wirkung nehmen, die er bisher auf das jüdische Volk und auf weite Teile der nichtjüdischen Welt ausgeübt hat. Man gewinnt damit 31

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