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Der jüdische Student · 1929-06-01 · Heft 6 (Juni 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 6 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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vielleicht einige Kreise, Assimilationsgruppen von heute und morgen, die um diesen Preis bereit sind, mitzumachen; aber man verliert die große historische Chance, die den letzten Sinn des Zionismus ausmacht, der, man nehme alles nur in allem, der großartige und kühne Versuch werden sollte, die endgültige Befreiung des Volkes, seine politische Normalisierung und damit die Lösung der jahrtausendealten jüdischen Frage herbeizuführen. Schon heute, in den wenigen Jahren, in denen sich diese Verfallstendenzen der zionistischen Ideologie auswirken mußten, kann man bereits die unmittelbaren Auswirkungen dieser Erscheinungen wahrnehmen. Die Krise der Organisation ist meiner Ansicht nach zum größten Teil nur eine Folge dieser ideologischen und wiilensmäßigen Krise; eine Organisation wie die zionistische lebt nur durch die Kraft und die Radikalitat ihrer Idee. Verblaßt diese, wird sie immer mehr und mehr bagatellisiert und im Wege des Kompromisses zerstückelt, dann verliert die Organisation ihre attraktiven Eigenschatten, und keine noch so energische Betriebsamkeit von Organisationsdepartements, keine Enqueten und keine Konferenzen werden es erreichen, eine Stärkung der Organisation herbeizuführen, wenn gleichzeitig der dauernde Prozeß einer Schwächung ihrer politischen Ideologie vor sich geht. Alle konkreten Konfliktsproblcme innerhalb der zionistischen Politik der letzten Jahre sind nur Konsequenzen dieser entscheidenden Grundursache. Und indem ich diese konkreten Probleme kurz charakterisiere, beantworte ich die zweite Frage nach den spezifischen Problemen des XVI. Kongresses. 2. Die außenpolitische Lage der zionistischen Bewegung ist, wie wohl alle zugeben werden, nach wie vor in höchstem Grade unbefriedigend. Wir haben in den letzten zwei Jahren von London aus sehr viel schöne Reden vernommen, und letzthin hat sogar der neue High Commissioner in Palästina solche ermutigende Reden y°n sich gegeben. Geschehen ist jedoch de facto nichts, um unser Siedlungswerk in Palästina auch nur irgendwie politisch zu fördern. Die jüdische Bevölkerung in Palästina ist sich darüber einig, daß die Haltung der Administration im Lande von Jahr zu Jahr ungünstiger wird. Vorfälle, wie derjenige der Klagemauer-Affäre, die radikale Drosselung jeder Immigration in den letzten zwei Jahren, die oft zu unerhörten Ungerechtigkeiten in Einzelfällen geführt hat, die beinahe prinzipiell anmutende Nichtbeschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten, die unerhörten Schikanen der Administration jetzt gegenwärtig in der Frage der neuen Zertifikate, all dies und vieles andere mehi deutet auf die unverändert gebliebene Haltung der englischen Verwaltung hin, die bestenfalls uns im Lande gewähren läßt, 6ft uns bewußt oder unbewußt schikaniert und stört, ohne daß es gelungen wäre, hierin auch die geringste Besserung herbeizuführen. Nach wie vor liegt der Schwerpunkt unserer Politik in London; was das Colonial Office will, geschieht in Palästina, und nach wie vor ist unsere politische Exekutive in London im höchsten Grade unbefriedigend. Das Tragische an der Situation ist nicht ihr Mangel an Erfolgen, sondern ihr Mangel an Zähigkeit und Intensität der politischen Arbeit. Aber gerade hier ist wohl heute eine 32

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