Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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auf denen unser Werk ruht. Nur eine so erzogene zionistische Jugend, die sich auf sich selbst* verlaßt und keine Hilfe von außen erwartet, wird die Palästinakolonisation vollenden können. Es ist eine törichte Gegenüberstellung, wenn man so tut, als fügte sich der gesamte Zionismus blind der höheren Weisheit der Mandatregierung und als wären nur die Revisionisten die berufenen Sachwalter des palästinensischen Judentums. Diese Zeichnung im Schwarz-Weifi-Stil der Courths-Mahler geht weit am Ziel vorbei. Das Gegenteil ist richtig. Das wahre Gesicht, das der Revisionismus in Palästina zeigt, ist das der sozialreaktionärsten Partei des Landes. Er ist dort die Vorhut einer Gruppe des Bürgertums, die es sich zum Verdienst anrechnen darf, die schärfste Form des Klassenkampfes im Lande zu wecken. Das steht natürlich in keinem Parteiprogramm, aber es weiß das jeder Palästinenser und jeder Beobachter dtr palästinensischen Presse. Ein Beispiel mag genügen. Wie war das doch mit dem Eingriff der Regierung in die Autonomie von T e 1 - A w i w , der ersten freien jüdischen Stadt? Der knüpfte unter anderem das Wahlrecht zur Stadtverwaltung an eine bestimmte Steuerleistung und verwandelte so die Arbeiterverwaltung in ein bürgerliches Regime. War es aber nicht trotzdem Pflicht jedes aufrechten Zionisten, gegen diesen Eingriff der Regierung zu protestieren? Nicht auch dann, wenn selbst die Möglichkeit bestanden hätte, daß dem Protest Folge geleistet wurde, und daß daher wieder die Arbeiterparteien und nicht der Bürgerblock die Steuern auszuschreiben hätten? Aber während sich die Revisionisten in der Galuth mit .großen Worten überschlagen, haben sie hier, gehorsame Diener des Bürgertums, gegen den Antrag gestimmt, sich protestierend an die Regierung zu wenden. Nein, nicht in der Methode des Revisionismus liegt das Heil, sondern in einer zühen, beharrlichen und realistischen Politik, die die Wahrung unserer Interessen mit der Loyalität England gegenüber verbindet. Und wenn unsere politische Stellung gegenüber der Verwaltung heute weniger gut ist als früher, so liegt der Grund dafür in unserer wirtschaftlichen Schwäche. Die Eingänge des Keren Hajessod gingen zurück, das Kolonisationswerk stagnierte, die Exekutive war verschuldet. „Hierin liegt vielleicht der Hauptgrund..... Ein unparteiischer Beurteiler unserer Nachkriegsarbeit in Palästina darf diese Dinge nicht außer acht lassen." Das ist ein Zitat aus einem Artikel Jabotinskys aus dem Jahre 1922 („Jüdische Rundschau" Nr. 35) und er hat recht mit dieser Ansicht, die er vertrat, als er noch Mitglied der Exekutive war. Gegenüber dem von rechts her in das Land getragenen Klassenkampf ist unsere Hauptforderung auf wirtschaftlichem Gebiet die, daß die Jewish Agency in Palästina als kolonisierende Macht auftreten muß. Sie soll nicht Vorbedingungen der Kolonisation schaffen, sondern selbst Siedlungskolonisation treiben. Der letzte Kongreß hat eine Exekutive geschaffen, der die Arbeiterparteien nicht angehörten. Ihr wird nachgerühmt, daß sie Konsolidierung ihrer Wirtschaften erreicht hjabe. Hier kann nicht auf Zahlen exemplifiziert werden, wir begnügen uns festzustellen, daß hinter diesen Satz ein sehr großes Fragezeichen gemacht werden muß. Selbstverständlich aber hat man die Eingänge des Keren Hajessod ausgegeben und so den Aufbau der Wirtschaften weiter getrieben. Aber wenn das zu einem gewissen Maß gelungen ist, so nur deshalb, weil der Plan der Hista- 25