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Der jüdische Student · 1929-06-01 · Heft 6 (Juni 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 6 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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kolonisation konzentrieren müssen, wenn unser Werk nicht hoffnungslos stagnieren soll. Die Gefahren der Erweiterung sind uns gut bekannt, aber jedes in die Zukunft gerichtete Tun ist ein Wagnis, und wer keinerlei Risiko tragen will, kann nicht gewinnen. Weil wir die Erweiterung wollten, und weil wir dabei die Gefahren sahen, und weil wir politisch und staatsmännisch arbeiten und nicht leere Deklarationen verfassen wollten, haben wir in dieser Frage fünf Jahre eine gradlinige Politik getrieben, von der wir nicht abgehen werden*. Unbeirrt von der leeren Agitation der radikalen und revisionistischen Opposition und ebenso unbeirrt von dem Kleinmut jener Gruppen des Weltzionismus, die die Erweiterung der Jewish Agency unter allen Ürnständen wollten, haben wir stets versucht, den nicht/ionistischen Partner heranzuziehen, aber dabei Sicherungen für den zionistischen Charakter des Aufbauwerkes in dem Vertrag mit den Nicht/ionisten zu verankern. Schon vor vier Jahren, auf dem Wiener Kongreß, hat die Hitachduth jene nunmehr berühmten vier Punkte formuliert, die die Anerkennung des Keren Kajemeth, die dauernde Verstärkung der Alijah, den Grundsatz der jüdischen Arbeit und die Förderung der hebräischen Sprache und Kultur bestrafen. Die heute schon praktisch und morgen auch formell geeinte Linke hat dieses Programm der nationalen Sicherungen auf der A.-C.-Sitzung im vorigen Sommer aufgenommen und es, vermehrt um den fünften Punkt, des Selbstbestimmungsrechts der Siedler, gegenüber dem Sachverständigenbericht der Jewish Agency-Kommission im Zionismus durchgesetzt. Die Linke war ebenso bereit, die Erweiterung der Jewish Agency auf dieser Basis zu vollziehen, wie auch, die Erweiterungspolitik scheitern zu lassen, ehe sie das zionistische Kolonisationssystem durch ein rein philanthropisches ersetzen ließ. Wenn man uns von seiten unserer Freunde im Aligemeinen Zionismus vorwarf und vorwirft, wir hätten ein gewagtes Spiel getrieben, als wir das A.-C. zwangen, an Louis Marshall diese Forderung zu stellen, so können wir nur antworten: In der Politik entscheidet der Erfolg. Der Vertrag der Erweiterung der Jewish Agency, der bald veröffentlicht werden wird, wird beweisen, daß der zionistische Standpunkt vollkommen durchgesetzt worden ist. Aus dieser unserer Anschauung über den Sinn der Erweiterung der Jewish Agency müssen Folgerungen für die Zukunft gQio^n werden. Auch hier nützen Resolutionen nichts, wenn sie nicht in der praktischen Tagesarbeit durchgesetzt werden. Die zionistischen Vertreter im Council der Jewish Agency müssen eine Politik befolgen, deren Ergebnis eine allmähliche Zionisierung und Demokratisierung der Jewish Agency ist. Weil das das nächste Ziel auf dem Weg zum Weltkongreß ist, muß dieser Kongreß, wie wir meinen, eine Reihe von Beschlüssen fassen, um die Kräfte der zionistischen Bewegung zu konzentrieren und ihre Organisation schlagfertiger zu machen. Ohne daß wir sie ausführlich begründen, seien hier die wichtigsten Punkte aufgezählt: 1. Der Kongreß muß in unzweideutiger Weise feststellen, daß in der zionistischen Bewegung der Grundsatz der Disziplin der Außenpolitik Geltung hat. Der heutige Zustand, in dem nämlich jeder sein 23

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