Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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abzulehnen. Man argumentiert dann etwa so: Es stehen sich bt-ärn Palästinaaufbau zwei Gruppen gegenüber, die beide intere>>egt'bunden sind, das palästinensische Bürgertum und die palästinensische Arbeiterschaft, dem Allgemeinen Zionisten fehlt dieses ,,enge'* Gruppeninteresse, er kann daher von einem allgemeinen Standpunkt aus urteilen, er steht über den Gegensätzen. Nun führt diese politisch vielleicht unanfechtbare Situation aber immer dazu, den richtigen Weg in „die Mitte" zwischen palästinensischem Bürger- und Arbeiterinteresse zu finden, ähnlich der Stellungnahme jenes Professors in einer gern von Blurnenfeld erzählten Anekdote, wo es um eine Entscheidung über die Frage der Existenz oder Nichtexistenz Gottes ging, und in der die Entscheidung von dem Professor gefällt wurde: „Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen." Bei der Wahlentscheidung des zionistischen Akademikers geht es um die Aufhellung und Erkenntnis der Frage nach der wirklichen Trägerin der Realisierung des Zionismus, geht es darum, zu erkennen, daß der Angelpunkt des Aufbauwerkes die Frage der jüdischen Arbeit ist, daß die noch so profitable Orangenwirtschaft ohne jüdische Arbeit national bedeutungslos ist, daß die Gemeinschaft der Arbeiter die Geburtsstätte jüdischer Kultur und neuer Gesellschaftlichkeit ist, daß nur in der Arbeiterschaft nationales und soziales Interesse zur vollkommenen Deckung gelangen, und daß daher die Wahrheit hier nicht in der Mitte, sondern bei der Arbeiterschaft liegt, zu der man sich durch die Wahl bekennt. Von demselben Gesichtspunkt aus muß auch die Stellungnahme zur Jewish Agency erfolgen: die Förderung nach wirklicher Demokratie in der Agency ist eine Forderung ebenso stark nationalen wie sozialistischen Charakters. Die finanzielle und die moralische Kraft der Agency werden von ihrem demokratischen Charakter abhängig sein, die hier nicht um die H e r r - schaft der Massen, sondern vor allem erst die Teilnahme der Massen bedeutet. In der Agency als Finanzinstrument wie auch in der Agency als Integrationsmittel der Weltjudenheit wird die Hüterin des nationalen und des sozialen Gehaltes des Zionismus die jüdische Arbeiterschaft Erez- Israels sein. Wir stärken ihre Position, indem wir ihre Vertreter zum Kongreß entsenden, indem wir die Liste der F^oale Zion zum Kongreß wählen. Kitachduth vor dem 16. Kongreß. Von Rudolf Samuel (Breslau). Jeder der 13 Kongresse, die die Zionistische Organisation bisher erlebt hat. ist vor- oder nachher als ein Markstein in ihrer Entwicklung bezeichnet worden. Auf keinen paßt dieses Wort besser als auf den 16., vor dem wir stehen. Er soll uns in der Sphäre unserer äußeren Politik eine wesentliche Verbreiterung der Front bringen und neue Teile des jüdischen Volkes dem Palästinaaufbau zuführen, im Bezirk der zionistischen Wirtschaftspolitik erhoffen wir von ihm die Vorbereitung einer Epoche wahrer Großkolonisation. Die auswärtige Politik im Zionismus gliedert sich in drei Gebiete, je nach dem Partner, dem sie zugewandt ist: das jüdische Volk, die Araber in Palästina und die britische Regierung sind die drei wesentlichen Faktoren, 21