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Der jüdische Student · 1929-06-01 · Heft 6 (Juni 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 6 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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besitz befindlichen Böden, vor allem auch die Orangenböden, die nicht dem K. K. L. gehören, heute den größten und wertvollsten Teil jüdischen Bodenbesitzes darstellen. Wir haben kein Recht, das private Unternehmertum zurückzuweisen. Wir haben sogar die Pflicht, ihm zu helfen mit Rat, mit Unternehmungen, mit Krediten, mit aktiver Hilfe. Mittelstand und Unternehmer sind produktive Kräfte von entscheidender Bedeutung im Lande und Grundlage zahlloser Existenzen (auch der Arbeiterschaft). Ein wirklich nationaler Wille, der alle Teile der Nation für den Aufbau unseres Landes nutzbar machen will, muß mit allen produktiven Kräften, nicht bloß mit einer einzelnen Klasse, arbeiten. Nur dann wenn wir jede Einengung, jede Klassenpolitik ablehnen, werden wir in dem schnellen Tempo fortschreiten, dessen wir bedürfen. Das jüdische Volk kann nicht unbegrenzte Zeit warten. Es braucht seine Heimat jetzt, in den nächsten 10 oder 20 Jahren, jedenfalls in der kürzesten Zeit, in der sie überhaupt geschaffen werden kann. Und wir können auch aus politischen Gründen nicht warten. Unsere Lage gegenüber der Mandatarmacht, gegenüber den Arabern und gegenüber den nichtzionistischen Juden drängt. Es ist müßig, heute über die Begriffe .Judenstaat'1 oder ,.jüdische Mehrheit" oder dergleichen zu streiten. Das sind einstweilen nur Begriffe. Wir haben keine Machtmittel, und wir lehnen das Waffenrasseln der Revisionisten ab. Wir lehnen militaristische Methoden und Aspirationen auch dann ab, wenn sie mit der Motivierung auftreten, daß wir die Waffen der Araber zu fürchten hätten und uns dagegen schützen müßten; denn alle Kriegsrüstungen vor dem' Weltkriege beruhten einzig und allein auf der Argumentation, daß der andere rüstete. Wir verfügen nur über ein Mittel und einen Weg: Die Konzentration aller Kräfte auf einen möglichst raschen Fortgang des Aufbaus. Wenn wir noch einige Hunderttausende oder Millionen von Juden nach Palästina gebracht haben werden, und wenn wirklich eine nationale Gemeinschaft mit eigenem gesunden wirtschaftlichen und kulturellen Leben im Lande bestehen wird, dann werden wir die Frage der politischen Konstruktion neu zu prüfen haben. Heule wissen wir nur, daß wir in einem friedlichen Wettstreit mit den Arabern stehen und ihn bestehen müssen. Heute wissen wir auch, daß England enttäuscht ist über den langsamen Fortgang unseres Werkes in den vergangenen Jahren, und daß unser stärkstes politisches Mittel gegenüber England darin besteht: schnell vorwärts zu kommen und die Juden der ganzen Weit für unsere Sache zu gewinnen. Und darum ist es unverständlich, wenn gerade die Revisionisten, die unser Werk politisch für gefährdet halten, gege die Erweiterung der Jewish Agency eintreten. Gerade die Erweiterung der Jewish Agency ist für uns die einzige Möglichkeit, einerseits im Wettstreit mit den Arabern zu bestehen, andererseits gegenüber der Mandatarmacht auf den Willen der gesamten Judenheit hinzuweisen und uns politisch auf sie, anstatt auf einen kleinen Teil von ihr, zu berufen. England, das durchaus gewohnt ist, realpolitisch zu rechnen, wird nicht an der Tatsache vorbeigehen, daß die einflußreichsten Juden der ganzen Welt fortan zu uns gehören. 18

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