Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537802-3537807--7200-3545238- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der zionistische Kongreß wird und muß den größten Einfluß auf unser Aufbauwerk in Palästina behalten. Der Zionismus aber als jüdisch-nationale Anschauungsweise wird auch künftig, wie er es bisher getan hat, die gesamte Judenheit zum nationalen Bekenntnisse aufrufen. Die Propaganda für den Aufbau wird zum großen Teil in unseren Händen liegen. Die Tagungen des Plenums der Jewish Agency (ihres Councils) werden für uns die Tribüne sein, von der aus wir unsere Weltanschauung vor der Judenheit der ganzen Welt darlegen. Diese propagandistische Aufgabe aber wird nur ein in sich geschlossener Zionismus erfüllen können, nicht eine Organisation, in der die Sonderwünsche und Sonderprogramme der Föderationen und Fraktionen das gemeinsame nationale Empfinden überwuchern. Darum verlangt der allgemeine Zionismus eine Konzentration und Zentralisation der Kräfte. Dem gemeinsamen nationalen Bekenntnis gebührt der Primat vor allen Sonderbestrebungen. Die immer stärker werdende Tendenz des Misrachi nach einer Sonderexistenz, die sich in einem Sonderschulwerk, in Sondersammelbüchsen, in einer Sonderbank, in Sonderortsgruppen usw. bereits betätigt hat, die sogar zu einem Sonden ertrag mit einer Versicherungsgesellschaft (in Konkurrenz mit dem Vertrage zwischen K. K. L. und Phoenix) geführt hat, und die neuerdings in Zeitungsartikeln sogar für ein eigenes und besonderes Kolonisationswerk eintritt, ist abzulehnen oder doch in angemessene Grenzen zurückzudrängen. Abzulehnen sind aber auch die vom Misrachi und weiten Kreisen der Sozialisten gemeinsam getragenen Bestrebungen, die zionistischen Landesorganisationen in bloße Dachverbände der Föderationen umzubilden. Ein solcher Dachverband würde sehr bald nichts anderes als ein permanentes Schiedsgericht sein, das die Konflikte der Gruppen zu schlichten hätte. Statt dessen brauchen wir in jedem Lande eine einheitliche Organisation aller Zionisten des Landes, der jeder Zicnist unmittelbar — ohne Zwischenschaltung einer Sonderorganistaion religiösen oder wirtschaftlichen Gepräges — anzugehören hat, und in deren Händen die zionistische Arbeit des Landes liegt. Die Propaganda und die Arbeit im Galuth, die Arbeit für die zionistischen Fonds, — dies alles ist immer nur von Menschen geleistet worden, die dabei als „Zionisten" schlechthin, aber nicht als Zionisten bestimmter Sonderfärbung auftraten. Stärkerer Zusammenschluß aller Zionisten erfordert das Korrelat, daß alle zur Mitarbeit in der Leitung berufen sind. Darum fordern wir Allgemeinen Zionisten eine Koalitions-Exekutive. Voraussetzung für ihr Zustandekommen ist allerdings, daß alle ihre Mitglieder für das vom Kongreß beschlossene Aktionsprogramm loyal eintreten. Unmöglich ist es, daß jemand zwar der Exekutive angehört, in der Agitation aber ihre Politik bekämpft — ein Zustand, den es leider bei uns in vielen Jahren gegeben hat. Der tafsächliche jetzige Zustand des Jischuw und seiner Einrichtungen ist das Resultat von Kräften verschiedenster Art. Sicher aber ist, daß die jüdische Arbeit das fundamentalste Element des Aufbaus ist und bleiben wird. Das Land wird nur jüdisch sein, wenn die Arbeit von M