Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3537599-3537802-3537807--7199-3545237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
worden ist und auf das sie keinen direkten Einfluß mehr ausüben können. Darum ist es eine ganz naive Täuschung, wenn manche deutsche Zionisten glauben, daß die Konstituierung der gemischten Agency zu einer Verstärkung der Zionistischen Organisation führen wird. Das kann nur dann geschehen, wenn die Nichtzionisten eines Tages Zionisten werden und in der Zionistischen Organisation aufgehen. Die berühmte Bündnispolitik aber, die man heute vielleicht als Notbehelf gelten lassen muß, kann, nicht den Charakter eines dauernden politischen Systems gewinnen. Zionistische Bewegung im allgemeinen Sinn kann es sicherlich immer geben, gleichgültig, wie die Organisationsform sich gestaltet, aber die Zionistische Weltorganisation hat als politisches Instrument des jüdischen Volkes ihren Sinn verloren, sobald die gemische Agency konstituiert ist. Wenn wir sie trotzdem mit aller Kraft zu erhalten suchen, so geschieht dies in dem Bewußtsein, daß die gefährliche Phase der Agency- Politik eines Tages überwunden werden muß, um einer sowohl geistig wie organisatorisch einheitlichen erneuten nationalen Organisation für Palästina Platz zu machen. Die Allgemeinen Zionisten* Von Max Jacobsohn, Breslau. Die Diskussion über die Erweiterung der Jewish Agency hat jahrelang die zionistische Oeffentlichkeit beherrscht. Es wäre sinnlos, heute noch diese Diskussion fortzusetzen. Denn wir stehen vor der Tatsache, daß die Erweiterung der Agency beschlossen ist, und daß die letzte, vielleicht noch erforderliche formelle Bestätigung durch den bevorstehenden Kongreß mit völliger Gewißheit erteilt werden wird. Will der Kongreß fruchtbare Arbeit leisten, so wird er nicht mehr darüber diskutieren, ob die Agency erweitert werden soll, sondern er wird an der Frage arbeiten, welche Konsequenzen der Zionismus aus der Tatsache der Erweiterung zu ziehen hat. Die Agency wird Trägerin des Paiästinaaufbaus. Die zionistischen Vertreter, die der Kongreß zu wählen hat, sind ein Teil der Agency, und zwar der einzige Teil, der durch eine gemeinsame — die nationale — Anschauung in sich fest geschlossen ist. Diese innere Geschlossenheit wird uns Zionisten einen starken Einfluß und das absolute Uebergewicht sichern, wenn wir sie zu bewahren verstehen. Die Chance, zu den in sich einigen und geschlossenen Fifty der Zionisten noch einige Stimmen der anderen Fifty in Zweifelsfragen hinzuzugewinnen, ist jedenfalls groß. Diese Chance aber geht verloren, wenn die zionistischen Fifty sich nicht als eine geschlossene Fraktion gegenüber der anderen Fifty betrachten, sondern wenn der Sozialismus, die religiöse Einstellung und ähnliche Gesichtspunkte die Grundlage bilden, auf der sich — für einzelne Abstimmungen oder für eine ständige Fraktionierung — Gruppen bilden und in diesen Gruppen zionistische Sozialisten oder zionistische Misrachisten mit den gleichgesinnten Vertretern der anderen Fifty zusammengehen. 4 15