Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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lichkeit der Organisation infolge der immer wiederholten Deklaration ihre^ be\ orstehenden Bankerottes.) Nachdem schließlich und endlich gewisse Resultate erzielt sind und ein Zuwachs an Menschen und Mitteln doch zu erhoffen ist, wollen wir jenes Argument, das vor sechs Jahren nur allzu richtig war, nicht mehr wiederholen und auch nicht einmal darüber rechten, ob das zu erwartende Resultat der aufgewendeten Mühe entspricht. Um so mehr dürfen wir nun verlangen, daß, wenn dieser Kongreß endgültig zur Konstituierung der erweiterten Agency schreitet, die Zionisten aller Richtungen mit uns Revisionisten gemeinsam sich der Gefahren bewußt werden, die auch in Zukunft in der Agency-Politik liegen werden. Es bedarf für politische Zionisten keines langen Beweises mehr, daß der übermächtige Einfluß der neuen Partner den Charakter der Bewegung ändern kann, daß auder nationalen Bewegung ein philanthropisches Kolonisationsunternehmen wird, wenn wir nicht unaufhörlich Ö2Lgegtn ankämpfen. Es mag sein, daß neues Geld nunmehr nach Palästina strömt, aber es besteht die Gefahr, daß die Wirtschaft, soweit sie nicht arabisch ist, auf dem Lande die Form kapitalistisch betriebener Plantagenwirtschaften annimmt, die irgendwelchen reichen Juden oder auch Nichtjtiden in England, Südafrika oder Amerika gehören. Dieselbe Torheit und Schwäche, die es zuließ, daß jedes kommunistische Sonderexperiment, welches sich die Arbeiter erzwangen, b'i uns gepriesen wurde, wird es auch zulassen, daß ein frisch-fröhlicher Kapitalismus sich der wirtschaftlichen Positionen im Lande bemächtigt. Nach beiden Seiten kann nur unser Staatsgedanke helfen, die mit eiserner Konsequenz betonte Forderung, daß in Palästina nur zu geschehen hat, w as der Ansiedlung des jüdischen Volkes als Gesamtheit dient. Eine weitere Gefahr ist jene schon oben erwähnte, im Wesen der antizionistischen Philanthropie liegende Neigung, aus Palästina „etwas Schönes" zu machen. Man will ja keinen Judenstaat für viele Juden, sondern ein edles Kuhstprodukt, das den reichen jüdischen Amerikaner seelisch erbauen soll. Mit Schrecken denkt man daran, daß vielleicht als Resultat der Agency- Bemühungen ein jüdisches Palästina entsteht, in dem nicht Hunderttausende von produktiv arbeitenden Familien ein ökonomisch gesundes und politisch freies Dasein führen, sondern wo es von gelehrten Instituten und sozialen Einrichtungen wimmelt, wo Zehntausende von abhängigen Existenzen geschaffen werden, deren Nachwuchs von Scharen weißgekleideter Nurses auf dem Carmel spazieren geführt wird. „Alles für unser Geld", wie da> Judentum von New York dann stolz verkünden wird. Es kann ernsthafrerweise nicht bestritten werden, daß die Agency-Politik solche Gefahren in sich birgt. Ebenso bedenklich ist die Verschiebung unserer polirischen Situation gegenüber England. Bisher hatte England nur mit Zionisten zu tun, deren staatsbürgerliche Zugehörigkeit keine Rolle spielte. Auch der englische Politiker weiß, daß die Zionistische Organisation sich nur und ausschließlich von jüdischen Interessen bestimmen läßt. Die neuen Elemente in der Jewish Agency sind nun aber gerade solche, die in ihren diversen Heimatländern als wirtschaftliche Kapazitäten auch eine gewisse politische Rolle spielen, und die bisher nicht gewohnt waren, ihre politischen Meinungen an dem zionistischen Zukunftsziel zu orientieren. Die 13