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Der jüdische Student · 1929-06-01 · Heft 6 (Juni 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 6 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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mit dem politischen Programm. Die Schaffung des Kolonisationsregimes ist die Voraussetzung großzügiger wirtschaftlicher Arbeit. Der Zionismus soll nicht direkt kolonisieren, sondern politische und wirtschaftliche Bedingungen schaffen, die es der Privatinitiative ermöglichen, sich in Palästina zu betätigen. Dabei wird der Revisionismus infolge seiner staatlichen Zielsetzung alle Maßnahmen unterstützen, die zur Verhinderung der Bodenspekulation getroffen werden. Die öffentlichen Fonds des Zionismus, Nationalfonds und Keren Hajessod, sind notwendig und sollen erhalten bleiben, aber sie haben den Zweck, zu helfen und zu regulieren, nicht aber, wie der offizielle Zionismus seine Anhänger glauben macht, direkt die ganze Aufbauarbeit zu leisten. Die Haltung des Revisionismus ist in keiner Weise arbeiterfeindlich, vielmehr können wir eine Arbeiterfrage im europäischen Sinne für das jüdische Palästina vorläufig gar nicht anerkennen. Es handelt sich dort gar nicht um den Kampf des Proletariats, sondern es handelt sich um Kolonisation, und in dieser Hinsicht tritt der Revisionismus für die Schaffung einer den Großgrundbesitz ausschließenden dichten Siedlung von Bauern und Pflanzern ein. Alle wirklichen Arbeiterfragen insbesondere in der Stadt müssen besonders im Pionierstadium durch Schiedsgerichte erledigt werden. Die Verwendung jüdischer Arbeit in allen jüdischen Betrieben versteht sich von selbst. Jüdisches Kapital muß Arbeitsgelegenheiten für jüdische Arbeitskräfte schaffen. Nur so ist ein schnelles Wachsen der jüdischen Bevölkerung möglich. Damit sind einige Hauptgedanken des revisionistischen Wirtschaftsprogramms skizziert. Auf weitere Einzelheiten soll hier nicht eingegangen werden. Der Kongreß wird zweifellos ganz und gar von der Agency-Frage beherrscht sein, und man muß von jedem Standpunkt aus wünschen, daß diese Frage endgültig geklärt wird. Die von der Opposition seit Jahren erhobenen Einwände gegen die Agency-Politik sind bekannt. Vor sechs Jahren bezweifelten wir, daß die Hoffnungen sich erfüllen würden, die Dr. Weizmann auf diese Politik setzte. Man widerlegte uns damals mit dem Argument, daß Palästina nicht mehr warten könne, und daß jetzt sofort die neuen Mittel für das Aufbauwerk beschafft werden müßten. Wie berechtigt unsere Warnung war, zeigt die Tatsache, daß sechs schwere Jahre vergangen sind, bevor die Agency- Politik überhaupt ernsthaftere Fortschritte machen konnte. Heute sind gewisse Anfangserfolge erzielt. Eine Anzahl prominenter Juden in den westlichen Ländern, die früher dem Zionismus fern standen, ist offenbar bereit, im Bunde mit den Zionisten an der Palästina-Arbeit teilzunehmen. Wir wollen uns über dieses Faktum freuen, auch wenn wir nach wie vor der Meinung sind, daß ohne die viel zu früh ausgegebene Agency-Parole dieselben oder ähnliche Resultate hätten erreicht werden können, wobei alle jene Schäden vermieden worden wären, die im Gefolge dieser sechsjährigen Agency-Bemühungen auftreten mußten. (Schädigung der Zionistischen Organisation durch heftige Meinungskämpfe und Verzicht auf Propaganda, Schädigung des Ansehens und der politischen Wirkungsmög- 12

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