Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ist. Auch hier hat der Revisionismus sich seit Jahren bemüht, die Bewegung xorwärts zu treiben und die wirtschaftlichen Grundsätze herauszuarbeiten, die der künftigen Arbeit zugrunde liegen müssen. Der entscheidende Punkt ist hierbei, daß die Wirtschaft Palästinas auf Privatinitative und Kredit beruhen muß. Die zionistische Oeffentlichkeit ist jahrelang durch die Art der offiziellen Berichterstattung aus Palästina von der Erkenntnis ferngehalten worden, daß die spezifisch zionistische Kolonisationsarbeit den Charakter isolierter Experimente angenommen hat, während das wirtschaftliche Leben des Landes sich zu neunzig Prozent ganz unabhängig von der Zionistischen Organisation, und zum Teil geradezu gegen diese entwickelt hat. Heute beginnen die „allgemeinen" Zionisten auch auf diesem Gebiet umzulernen, aber noch schwanken sie zwischen ihrer beginnenden wirtschaftlichen Erkenntnis und den unheih ollen Methoden, auf die sie sich seit Jahren festgelegt haben. Die allgemeinen Zionisten — und dies gilt auch leider von der Gruppe der radikalen Zionisten, deren Programm im übrigen mit dem der Revisionisten viele Berührungspunkte hat — haben sich jahrelang von den linken Parteien ins Schlepptau nehmen lassen und ihre Presse hat während dieser Zeit die Experimente der Arbeiter Wirtschaft in Palästina als die allein mögliche Form der Aufbauarbeit dargestellt. Oder aber die allgemeinen Zionisten haben, wie in Polen, zwar die Wirtschaft der Arbeiterorganisation bekämpft, jedoch ihrerseits wieder den Fehler begangen, das polnische Kleinbürgertum und seine Tendenzen, wie sie in der vierten Alijah zum Ausdruck kamen, zu glorifizieren. Demgegenüber muß die Erkenntnis festgehalten werden, daß die Kolonisation Palästinas unbedingt auf landwirtschaftlicher Grundlage erfolgen muß, also eine gewisse Umformung und Berufsumschichtung der Juden verlangt. Dies gilt natürlich in erster Linie für die jüngeren Elemente, die als Pioniere hinübergehen. Die ältere Generation soll bei ihrem Versuch, ihre wirtschaftliche Existenz vom Galuth nach Palästina zu verpflanzen, gefördert werden, und die zionistische Leitung sollte künftig nicht so absprechend wie in den \etzttn Jahren über die vierte Alijah urteilen, die schließlich Tel-Awiw geschaffen hat. Immerhin ist festzuhalten, daß das entscheidende Problem der Kolonisation die Schaffung landwirtschaftlicher Siedlungen ist, und hier hat sich der Zionismus der jüngeren Generation zu bewähren. Dann aber muß gefordert werden, daß diese landwirtschaftliche Kolonisation (und daneben selbstverständlich auch Handel und Industrie) unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet und daß die Wirtschaftlichkeit nicht dem Gemeinschaftsideal jugendlicher Wandervögel oder der Theorie der Kommunisten geopfert wird. Die Basis der Kolonisation wird intensiv betriebene Einzelwirtschaft sein, und diese muß im wesentlichen durch Privatinitiative und Kredit entstehen — wobei Gruppenbildungen im Pionierstadium selbstverständlich nicht nur möglich, sondern ganz natürlich sind. Das Ziel ist die Schaffung eines Typus, wie er dem Lande und der jüdischen Eigenart entspricht, und dieser Typus wird keineswegs in der unwirtschaftlichen und gerade mit den palästinensischen Verhältnissen unvereinbaren Form der Kwuzah erzeugt. Das revisionistische Wirtschaftsprogramm ist aufs innigste verbunden 11