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Der jüdische Student · 1929-06-01 · Heft 6 (Juni 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 6 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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sich, wie die Erfahrung1 gezeigt hat, mit Recht zutrauen, die nichtzionistische jüdische Welt dem System der zionistischen Arbeit einzugliedern. Ich beschränke mich auf die Behandlung dieser einen Frage , sie ist die Hauptfrage des nächsten Kongresses. Die dritte Phase des Zionismus. Von Richard Lichthetm. I. Herzls Aufruf an die Judenheit war der Versuch zur umfassenden Lösung der judenfrage durch Konzentration der Juden im eigenen Staat. Die Judennot in allen ihren Teilen — wirtschaftliche und politische Verfolgung der Massen, seelischer Druck, der den einzelnen Juden überall in der Welt beugte; künstliche Niederhaitung der geistigen und körperlichen Energie der Rasse — wurde als Ergebnis der Galuthexistenz erkannt und sollte demgemäß durch Aufhebung der Oaluth beseitigt werden, Herzl war darum Staatszionist, er suchte das Territorium für den Judenstaat. Es ist bekannt, daß er im Anfang seiner Tätigkeit noch die Frage: „Argentinien oder Palästina?" aufwerfen konnte. Die gewaltige Wirkung, die Herzl in der Judenheit erzielte, erklärt sich durch die großartige Einfachheit dieser Konzeption. Alle Juden der Welt fühlten, daß sie nicht Vollmenschen, nicht Vollbürger, nicht wahrhaft frei waren, und so erschien Herzls Judenstaatsideal ihnen als die absolute Erlösung. Auf dem Wege der Verwirklichung mußte sich aber Herzl sehr rasch jenen geschichtlichen Kräften im Judentum verbinden, die schon vor ihm auf ähnlichen Wegen die Judenheit aus dem Dunkel des Ghetto zu befreien trachteten. Das Staatsideal Herzls traf auf das schon vor ihm neu erwachte Palästinaideal Pinskers, der gleich ihm den Judenstaat, aber den Palästinastaat, wollte und die Bewegung der Chowewe Zion erzeugt hatte. Und weiter: Die Idee der Erlösung des jüdischen Menschen verschmolz mit der Idee der Erlösung des Judentums, mit dem erwachenden Hebräismus und dem „Kulturzionismus". Die Staatskonstruktion mußte sich mit der Geschichte und Kultur des Volkes auseinandersetzen, dem sie dienstbar gemacht werden sollte. So entwickelte sich aus der ersten Phase des Herzischen Zionismus die zweite, äußerlich gekennzeichnet durch die immer wachsende Anteilnahme der Zionisten am Palästinawerk und durch die Auseinandersetzung des politischen Zionismus mit dem Achad Haamismus. Die Kritik Achad Haams am „diplomatischen" Zionismus, an dem Sinn und an den Resultaten der Palästinaarbeit setzte sich insofern durch, als der geschichtliche Charakter der Bewegung nunmehr besser begriffen wurde, während der Versuch, aus dem Prophetismus ein für die Zukunft verbindliches „Wesen des Judentums" abzuleiten, naturgemäß retrospektive Definition blieb. — Dem Streit über Wesen und Inhalt des Zionismus entsprach auch der Streit über die politischen Methoden. Der reine Staatspolitiker wollte erst alle politischen Voraussetzungen für die Kolonisation des gewählten Landes schaffen, und dann die Arbeit aufnehmen. Der geschichtlich denkende und nur nach Palästina strebende Zionist mußte dagegen den

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