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Der jüdische Student · 1929-06-01 · Heft 6 (Juni 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 6 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Fortgang der einmal begonnenen Palästinaarbeit unter allen Umständen fordern und betreiben. Das Resultat jener Meinungskämpfe zwischen den sogenannten politischen und praktischen Zionisten war jener synthetische Zionismus, der nach Herzls Tode sich durchsetzte und eine Zeitlang geistige Beruhigung und ziemlich weitgehende Uebereinstimmung der Ansichten in den führenden Schichten des Zionismus bewirkte. Zionismus wurde nunmehr als geschichtlicher Prozeß von langer Dauer verstanden. Kolonisation war kein Transportunternehmen, sondern die allmähliche Umschichtung und Umsiedlung jüdischer Volksmassen unter gleichzeitiger Pflege aller kulturellen Werte, die für die Schaffung der neuen jüdischen Gemeinschaft wesentlich erschienen. Zugleich aber wurde der staatspolitische Charakter des Zionismus durchaus festgehalten, d. h. als Ziel erschien nach wie vor die Schaffung eines großen jüdischen Gemeinwesens, die Ueberwindung der Galuth, d. h. der inneren und äußeren Unfreiheit, der Wurzellosigkeit, der ökonomischen und physischen Krankheit der Judenexistenz durch territoriale Konzentration, durch Errichtung der wahren inneren und äußeren Heimat für das jüdische Volk. Die Mittel zur Erreichung dieses Ziels waren zum Teil wirtschaftlicher Natur (Kolonisation), zum Teil trugen sie politischen Charakter (Diplomatie) : Die nationale Heimstätte war durch die Arbeit der Pioniere und durch Auseinandersetzung mit der politischen Realität zu schaffen. Freilich mußte man sich darüber klar sein, daß das künftige jüdische Palästina nicht alle Juden aufnehmen und daher nur eine Teillösung der Judenfrage bringen werde, ferner daß das jüdische Gemeinwesen in Palästina voraussichtlich kein völlig unabhängiger Staat sein würde. Daher die zurückhaltende Formulierung des Basler Programms. Der „Judenstaat" erschien, wie ich es damals (1911) ausdrückte, als ein Grenzbegriff, als die Ausmalung eines Idealzustandes, der vielleicht nie vollständig erreicht werden kann, aber jedenfalls als richtunggebendes Gestirn für die Palastinawanderung erscheint. Es war schon Herzi zweifelhaft, ob der absolut souveräne Judenstaat zu erreichen sei. Schon er dachte an ein Patronat Englands über das jüdische Palästina, wenngleich damals von türkischer Oberherrschaft gesprochen werden mußte. Die Frage der äußeren staatlichen Form der jüdischen Gemeinschaft in Palästina schien daher nicht von entscheidender Bedeutung. Was hingegen wirklich bedeutungsvoll war und ist, das ist die Grundvorstellung der territorialen Losung der Judenfrage wenigsten? für einen Teil des Volkes, die absolute Ueberwindung der Galuth durch den Kern der Nation. Nur das ist Zionismus. Diese Vorstellung einer Lösung der Judenfrage bedingt die Zielsetzung einer freien und selbständigen jüdischen Palästinanation von einigen Millionen Juden, die, mit ihrem Boden fest verwurzelt, die Begriffe „Volk" und „Heimat" für die Juden lebendig werden lassen. So erschien es auch immer als eine Selbstverständlichkeit, daß das nächste Ziel des Zionismus die Gewinnung der jüdischen Majorität in Palästina sein muß, da im demokratischn Zeitalter nur die Majorität zum bestimmenden Faktor eines Landes werden kann und die Existenz als nationale Minorität ja gerade die Galuth bedeutet, die der Zionismus überwinden wollte.

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