Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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irdischen ^unschgebilden ganz von selbst der Atem ausgeht... Die uberirdische Erfüllung ist bedingt durch die Versagung des Wunsches, den unser armes irdisches Merz freilich wünschen muß." (Einleitung zu Hermann Cohens Jüdischen Schriften LVII.) Der Unsterblichkeitsglaube ist untergegangen, und die Menschen haben mit diesem Glauben nicht die Fähigkeit, ernst und verantwortlich zu leben, verloren; sie haben sich ohne diesen Glauben, mit dem Glauben an den ewigen Tod, einzurichten verstanden. Aber nur einzurichten? Hat nicht eine seit langem herangereifte Gesinnung diesen Glauben an den ewigen Tod geradezu gefordert? Den Blick für die durch ihn eröffnete Möglichkeit erschlossen? Und wer sagt, daß es mit dem Gottes-Glauben nicht dieselbe Bewandnis hat oder haben wird? Gewiß — der Gottes-Glaube ist älter als der Unsterbiichkeitsglaube; er wurzelt tiefer im menschlichen Herzen. Eben darum hat er den Unsterblichkeitsglauben überlebt; eben darum aber ist auch er nicht ewig. Ob ohne den Gottes-Glauben ernst und verantwortlich, wie unbehütet auch immer, gelebt werden kann, darüber kann zuletzt nur die Erfahrung einer Menschheit entscheiden, die von sich aus den Unglauben fordert, zum Unglauben fähig ist, den Blick für seine Möglichkeiten frei hat; nicht aber die Deklamation derer, die auch in ihren kühnsten Zweifeln immer noch die Möglichkeit des Glaubens haben. Aber jedesmal, wenn eine Flamme verlischt, glauben die, welche das Licht nur dieser Flamme kennen, daß nun die Sonne untergehe. Wirtschaftshilfe im K. J.V. Das Präsidium hat die Absicht, alle grundlegenden Fragen, die das Kartell beschäftigen, mit einem größeren Kreis von Bundesbrüdern zu besprechen, und wird im Laufe seiner Arbeit für jede der zur Diskussion stehenden Fragen eine erweiterte Präsidialsitzung stattfinden lassen, zu der alle Bundesbrüder gebeten werden, die mit Rat und Tat zur Lösung der betreffenden Probleme beitragen können. So fand am 3. Mai im Hause von Bundesbruder Lichtheim die erste erweiterte Präsidialsitzung statt, der eine Aussprache über den Ausbau des Berufs- und Wirtschaftsressorts des Kartells gewidmet war. Erfreulicherweise hatte eine größere Anzahl von Bundesbrüdern ihr Erscheinen zugesagt, so daß es möglich war, eine Reihe von maßgeblichen Urteilen zu dieser wichtigen Frage zu hören. An der Sitzung nahmen außer sämtlichen Präsidiumsmitgliedern folgende Bundesbrüder teil: Harry Cohn, Reinhold Cohn, David Feitelberg, Georg Gerson, Leo Kaminski, Bruno Kirschner, Simon Nathan, Julius Ordower, Williarn Perlis, Felix Samuely, Josef Schmeidler, Leo Schweitzer, Isaak Zwirn. Außerdem war als Gast des Präsidiums Herr Dr. Pietrkowski anwesend, der eigens zu dieser Sitzung aus Leipzig herübergekommen war. Nach Lichtheims Begrüßungsansprache hielt Alfred Lewin das Referat über die Aufgaben des Wirtschaftsressorts. Er ging davon aus, daß die gegenseitige Hilfe unter Bundesbrüdera in einem korporativen Verbände selbstverständlich sei. Sie liege nicht nur 27