Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1929-05-01 · Heft 5 (Mai 1929) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 5 (Mai 1929)
Date
1929-05-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537802-3537806--7178-3545215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

greifen; wir ziehen nur die so D enkenden als ernstliche C j e g n e r in Betracht. Cjerade darum behaupten wir, daß der politische Zionismus sich radikal nur als ungläubig begründen, daß er nur in voller Klarheit über den Unglauben als seine Voraussetzung den andernfalls überlegenen Angriffen seitens der radikalen Glaubigen standhalten kann. Der politische Zionismus ist die Organisation des Unglaubens im Judentum; er ist der Versuch, das jüdische Volk auf dem Boden des Unglaubens zu organisieren. So ordnet sich sein Kampf dem alten Kampf zwischen Glauben und Unglauben, der „das ewige und einzige Thema aller Welt- und Menschengeschichte" ist, ein und unter. Darin, daß ich dieses Wort Goethes (aus den „Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-Deutlichen Divans'- Weimarer Ausgabe VII, 157) anführe, ^ieht Joseph „billigen Spott". Offenbar ist er darauf gefaßt, daß man die Behauptung, der Glaube und sein Gegenteil seien wichtig, für verspottenswurdig halt; und selbstverständlich ist ihm der Sport eines Ungläubigen „billiger Spott'4. Ohne diese Voreingenommenheiten hatte er sehen müssen, daß ich das erwähnte Wort Goethes, wenn auch in einem anderen Sinn, als es von diesem gemeint war, im Ernst anführte, ich glaube überhaupt, die Frage ernster genommen zu haben als Joseph, ich wenigstens würde mich nie auf die Neutralität des politischen Zionismus berufen, um, koste es was es wolle, den wichtigsten Kampf zu vermeiden. Ueberhaupt verstehe ich nicht, wie jemand, der doch das Erbe des Propheten Elia zu verwalten hat, Neutralität anempfehlen kann. Neutralität („Religion als Privatsache") mag für den macchiavellistischen politischen Zionismus eines Nordau, der nicht davor zurückschreckte, die traditionelle Messias-Hoffnung als „dynamogen4* zu gebrauchen, als taktische Maxime erlaubt sein - dem Gläubigen ist sie verwehrt. --- Eigentlich richtet sich nur der erste Aufsatz Josephs, und auch dieser nur, soweit er die Möglichkeit zionistischer Politik auf dem Boden des Unglaubens zum Gegenstand hat, gegen mich; alles übrige richtet sich gegen Freud. Ich habe keine Lust, mich in die Katzbalgerei zwischen „Materialismus" und „Spiritualismus", zwischen „Naturalismus'' und „Idealisinus" einzumischen; denn heute ist dieser einstmals wichtige Streit wirklich nichts mehr als eine Katzbalgerei. Hätte ich aber zwischen Josephs ^Idealismus'4 und Freuds „Naturalismus'' zu wählen, so zöge ich ohne Be* denken den letzteren vor. Denn die Beherrschung der Natur durch den Menschen und die vernünftige Regelung des menschlichen Zusammenlebens, diese beiden einzigen Ziele des zivilisatorischen Geistes, sind Ziele, deren Wichtigkeit und Dringlichkeit von Jedem jeden Augenblick verstanden werden kann; schließlich will kein Mensch hungern, frieren oder mir nichts dir nichts totgeschlagen werden. Aber warum in aller Welt das Leben „verklärt", die Leute „erhoben" werden sollen, das kann ich nicht einsehen; und ich glaube, daß niemand, der Zores hat — und die meisten Menschen haben doch wohl ihre Zores — solche ausschweifenden Bedürfnisse hat. CXI er sollten „Erhebung*' und „Verklärung" gerade darum nötig sein, weil wir Zores haben? Sollen so vielleicht die Zores aus der Welt geschafft werden? Sollen so sich vielleicht die Zores, die gründlichen Schwierigkeiten des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.