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Der jüdische Student · 1929-05-01 · Heft 5 (Mai 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 5 (Mai 1929)
Date
1929-05-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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Gegen diese Ansicht wird zweierlei eingewandt: 1. der politische Zionismus ist „weltanschaulich4* neutral; 2. die Religion ist politisch neutral. 1. Ist nicht der politische Zionismus eine neutrale Bewegung, die alle Juden, gläubige oder ungläubige, wenn sie nur nationalen Willens sind, vereinigen kann? Muß er nicht alle Juden vereinigen? Ist nicht auch der ursprünglich ungläubige Zionismus auf die der Tradition ergebenen Massen angewiesen, muß er nicht die traditionelle Messiashoffnung aufnehmen, wenn er sein Ziel erreichen will? Jedes Mal, wenn der Zionist auf diese Fragen stößt, muß er mit der größten Beschämung die ideologische Inferiorität des Zionismus gegenüber dem Marxismus feststellen. Auch der Marxismus kennt ja ein Bündnis zwischen heterogenen Gruppen, die ein gewisses Ziel gemeinsam haben, insbesondere das Bündnis zwischen Arbeitern und Kleinbauern; auch der Marxismus benutzt ja eine relativ zu ihm rückständige Bewegung, den bürgerlichen Nationalismus, im Interesse seines Ziels. Dabei behält aber er selbst das Heft in der Hand; er duldet keinen Augenblick, daß die Taktik, die durch die klare Einsicht in das Ziel ermöglicht ist, die führende Einsicht verdunkelt. Wie erbärmlich steht es demgegenüber bei uns. Ich will nicht von den weichlichen Rücksichten aus Pietät und Sentimentalität reden, über die mancherlei zu sagen wäre; Beschränkung auf das Hauptsächlichste tut not. Wenn bei uns, in unserem engen Kreis, der einmal den Ehrgeiz hatte, die Führer des politischen (nach Blumenfelds Bezeichnung post-assimilatorischen) Zionismus zu erziehen, versucht wird, Klarheit über unsere Voraussetzung, über unser Ziel zu schaffen, so ertönt der jammerruf: der so verstandene Zionismus ist nicht ..zugkräftig". Vor lauter Zugkräftigkeit werden wir bald nicht mehr wissen, was wir wollen; wir werden uns unsere Ziele und Wege von unseren Gegnern, denen wir wahrlich schon genug Konzessionen gemacht haben, endgültig vorschreiben lassen. Mit diesen Gegnern haben wir ein gewisses, vorläufiges Ziel gemeinsam; wir müssen uns daher mit ihnen zur Erreichung dieses Ziels verbinden; aber dieses Bündnis führt in einen Sumpf, es i s t ein Sumpf, wenn es nicht in voller Klarheit über das Trennende, über das uns Eigentümliche, über das, was wir zulet/t und eigentlich wollen, geschlossen wird. Und das, was wir zuletzt und eigentlich wollen, läßt sich nicht klarmachen, wenn nicht davon ausgegangen wird, daß wir Juden ohne Glauben sind. 2. Gegen einen kraft- und willenlosen Glauben, der sich damit begnügt, die Leute zu ,,erheben**, das Leben zu ,,verklären", ist jedes Wort zu viel. Wenn für Joseph die bedingungslose Normalisierung" der jüdischen Existenz eine selbstverständliche Forderung ist, dann brauchen wir uns mit ihm nicht auseinanderzusetzen. Aber es gibt unter den Gläubigen Andere, Jüngere, Radikalere, die der Meinung sind: der jüdische Glaube hat Kon- > e q u e n z e n , Konsequenzen auch und gerade für die Politik; und zwar Konsequenzen gegen die Politik, die auf bedingungslose „Normalisierung" gerichtet ist. Sie berufen sich auf den Kampf Samuels gegen Saul, überhaupt auf den Kampf unserer Propheten gegen unsere Könige. Wir wollen ihnen glauben, daß sie im Geist der jüdischen Tradition den Kampf gegen den politischen Zionismus führen; wir begreifen ganz, daß ein Glaube voll Kraft und Willens nicht darauf verzichten kann, in das politische Leben einz.u- 24

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