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Der jüdische Student · 1929-05-01 · Heft 5 (Mai 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 5 (Mai 1929)
Date
1929-05-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Der Intellekt wird ferner die berechtigte Forderung erheben, daß die Wissenschaft der religiösen Grunduher/eugung nicht entgegen -»ein dun-, und der Wille selbst wird schließlich verlangen, daß die unvoreingenommene Erfassung der durch den Intellekt erkannten Realität den Weg zur Religion zum mindesten nicht versperre, ihn vielmehr so weit als möglich selbst öffne. Denn mag auch diese Realität von der letzten weiter abliegen, als unser Wille, so wurzelt auch sie mehr oder weniger mittelbar in der letzten Realität und muß daher irgendwie auch auf diese hinfuhren. Wie weit dies letztere der Fall sein kann, das wird natürlich davon abhängen, wie weit es dem Intellekt gelungen ist, der wirklichen Realität mher zu kommen. Daß die vom Intellekt vorgestellte Realität unseren Glauben nicht alsbald und bis zum letzten bestätigen kann, leuchtet ohne weiteres ein. Der religiöse Glaube ist ja gerade aus der Spannung hervorgegangen, die zwischen unserem Willen und der äußeren Realität besteht. Und die^e Spannung wiederum ist nötig, weil sie die Voraussetzung für die Entu Lklung der sittlichen Werte, des menschlichen Geistes und der ge-amten K'ulturentwicklung überhaupt bildet. Also nicht darum kann es sich handeln, den religiösen Glauben durch die äußere Realität unwiderleglich und restlos darzutun, sondern nur darum, zu zeigen, wie eine tiefere Erfassung der letzteren für das Recht des Glaubens nicht nur Raum läßt, sondern diesem auch, vom Intellekt aus gesehen, eine hohe Wahrscheinlichkeit sichert. Unsere Frage huret demnach: was läßt sich von unserem heutigen Weltbilde aus über da> Recht de, Glaubens sagen? Das Erste, was notwendig ist, wenn dem religiösen Glauben sein Recht 'gewahrt bleiben soll, ist, daß dem Seelenleben seine Ursprünglichkeit, sein Eigenwesen der äußeren Realität gegenüber gesichert sei, demgegenüber, was, wenigstens zunächst, von ganz anderer Art zu sein scheint und was man -gewöhnlich Stoff oder Materie nennt. Heute ist die dynamistische Natur- * Philosophie der mechanistischen gegenüber längst im Vordringen begriffen. fDoch davon sehen wir an diesem Punkte noch ab, weil sich dem Natur- ,betrachter die mechanistische Theorie vom Standpunkt eines naiven Reahs- "mus aus als die nächstliegende darbietet. Wir halten uns hier an die unmittelbar gegebene Erscheinungsform der äußeren Realität und die bietet uns außerhalb unseres Seelenlebens eine raumerfüllende bewegte Materie " dar. Diese Materie geht Verbindungen ein oder löst sie und so kommt unser vielgestaltiges Weltbild zustande. Es bleibt nun aber, wie mit Recht immer ".wieder gesagt worden ist, ewig unvorstellbar, wie aus der Bewegung der "Materie eine Ton-, Gesichts- oder Tastempfindung hervorgehen kann. Daü -zwischen der sog. Materie und den seelischen Vorgängen Beziehungen o n .-> .-3 gestehen, ist unleugbar, aber gleichviel, wie man sich diese denken mag. f-es wird sich hier immer nur um Theorien oder Hypothesen handeln - daß. wenn wir die Materie für eine wirkliche Realität halten, die seelischen Vorgänge eine toto genere davon verschiedene Realität darstellen, steht außer allem Zweifei. Jj| Auch dies wäre noch zu erwägen: Gesetzt, die Materie wäre etwas bsolut und an sich Existierendes und das Seelische wäre aus ihr hervor-

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