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Der jüdische Student · 1929-05-01 · Heft 5 (Mai 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 5 (Mai 1929)
Date
1929-05-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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baut sich der Glaube an die Kultur und ihre Weiterentwicklungauf, in ihnen liegt ihre innere Rechtfertigung- und sie begründen unsere unbedingte Hingebung an deren Aufgaben. Wenn wir also an die Wahrheit der Religion glauben, so nehmen wir das Recht hierzu aus der Tatsache, daß von allem, was wir kennen, unser Wille der letzten, wahren Realität der Dinge am nächsten ist. Und wie die Religion von Anfang an aus dein Willen und seinen realen Untergründen entspringt, so entspringt auch fortgesetzt ailes tiefere und reinere Erfassen der religiösen und religiös-sittlichen Wahrheiten aus der gleichen Quelle. Alles, was aus der lebendigen Bewegung unseres zugleich religiös und moralisch gerichteten Willens hervorwächst. hat einen weit größeren Realitätswert als das, was wir von der Wirklichkeit durch Empfindung, V orstellung und Denken von außen erfahren. Von hier aus fällt auch, wie wir nur beiläufig bemerken wollen, Licht auf das. was wir Offenbarung nennen. Denn was aus einer auf das höchste gesteigerten und auf das Höchste gerichteten Bewegung eines starken und reinen Willens als schöpferische religiös-ethische Erkenntnis aufblitzt, das, worin mit der tiefsten Ergriffenheit, wie sie zumeist ein stark erregendes Erlebnis hervorruft, das unmittelbare Bewußtsein seines Ursprungs aus höheren Sphären sich verbindet, das ibt Offenbarung, Offenbarung einer symbolischen, nicht einer ganz rein aufgefaßten, absoluten Wahrheit, weil deren Erfassung sich dem gegebenen Kulturbewußtsein und der individuellen Seelenverfassung einordnen und eingliedern muß. Letztere bilden gleichsam die Apperzeptionsorgane, die den Inhalt des Geoffenbarten dem bisherigen Bewußtsein assimilieren. Bei den großen Propheten Alt-Israelwaren es stets Erlebnisse in Form stark erschütternder oder auch umgekehrt höchstes (jiücksgefühl erregender nationaler Schicksale, die mit der inneren Ergriffenheit jenen ekstatischen Zustand erzeugten, in dem die Offenbarung religiöser Wahrheiten mit dem unmittelbaren Bewußtsein ihres höheren Ursprungs sich vollzog. Gerade bei diesen Propheten wird es besonders deutlich, daß schöpferisch-religiöse Erkenntnis im Willen und seinen edlen Triebkräften wurzelt. Das wird auch nirgendwo anders gewesen sein, wo es eine wirkliche Offenbarung gegeben hat. Das intellektuelle Moment vermittelt nur den Anlaß der Willenserregung und der Offenbarung und bedingt zugleich den Grad der Vollkommenheit, in dem die Offenbarung vorn Bewußtsein und ins Bewußtsein aufgenommen wird. Wenn dem aber auch so ist und es daher ein verkehrte- Beginnen wäre, die Religion aus der Arbeit des Intellekts, also aus der Wissenschaft ableiten zu wollen, so wird doch andererseits die Einheit des menschlichen Bewußtseins es notwendig machen, einen begründeten Einspruch der Wissenschaft gegen die Religion abzuwehren. Dieser Einspruch wird gewiß nie den Kern der Religion, die religiöse Grunduberzeugung treffen können, wohl aber ihre Form, die ja durch das allgemeine vom Intellekt abhängige Kulturbewußtsein bedingt ist. Das fortgeschrittene Kulturbewußtsein einer späteren Zeit wird gegen die bisherige Form der Religion Einwand erheben können und eine Abwandlung der Form fördern dürfen. Es wird gleichzeitig bessere Apperzeption-organe schaffen, um für die Zukunft reiner und vollkommener eria fiten Otfenbarungen den Boden zu bereiten. m

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