Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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politischen Sterilität. Indem er das ganze Volk in ständischer Gliederung wieder zum bewußten Träger des Staates macht, uberwindet er den Wirrwarr de? demokratisch-liberalen Individualismus. Er ist der stärkste Ausdruck des staatlichen Idealismus und ein gewaltiger Versuch zur Aufrichtung des Primats des Staatlich-Nationalen gegenüber dem Wirtschaftlich-Sozialen. Die jüdische Freiheitsbewegung kann aus ihm die stärksten Antriebe erhalten, wenn sie in ihm das Prinzip der Ueberordnung des nationalen Interesses über das Einzelinteresse als wirkend erkennt und sich dessen bewußt wird, daß in diesem Prinzip die historische Funktion des Zionismus Hegt, der einer atomisierten auseinanderstrebenden Judenheit ein neues Gesellschaftsideal entgegenstellt. Die Anspannung des nationalen Willens verlohnt sich aber nur, wenn dieses Ideal größer ist als die Schaffung einer jüdischen Insel in Palästina. Jüdische Mehrheit im jüdischen Lande — dieses Ziel ist würdig der großen Sehnsucht, die aus der Auflehnung gegen die moralische Versklavung des Gaiuthes spricht. Ein großes Ziel erzeugt die große Hingabe. An der Klärung unserer Zielsetzung mitzuarbeiten, wird eine Aufgabe unseres K. J. V. sein. Wissenschaft und Religion. Von Max Joseph (V. J. St. Ivria, Freiburg, A. H. h. c). In unserem letzten Artikel: „Ist die Religion wirklich eine Illusion?" haben wir ausgeführt, daß die Religion von Hause aus in der Tat im menschlichen Willen und Bedürfen wurzelt und daß sie nach ihrer Tendenz eine Erhebung über die gegebene empirische Wirklichkeit bedeutet. Wir haben zugleich darauf hingewiesen, daß dies keineswegs, wie Freud irrtümlich urteilt, gegen den Wahrheitswert der Religion spricht. Unsere Sinnesfunktionen, die nur unserem Willen zu dienen bestimmt sind, sind auch aus einem Bedürfnis, dem Bedürfnis, uns in der Außenwelt zu orientieren, erwächsen und die Realität der Dinge kommt dem, soweit es sich um eine Befriedung unseres elementaren Lebenswillens handelt, auch wirklich entgegen. Warum sollte unserem Willen, der unserer inneren Erfahrung unmittelbar gegeben ist und der also der letzten Realität näher ist, diese nicht entgegenkommen? Unser Wille, nicht unser Besitz an Kenntnissen hinsichtlich der Welt der Dinge und ihrer Beziehungen, bildet das Wurzelhafte und den Kern unseres Wesens, und, so fügen wir hier hinzu, in diesem Willen sind auch die Schaffens- und sittlichen Werte enthalten, die für uns den wahren Wert eines Menschen ausmachen. Sollte da die letzte wahre Wirklichkeit, der unser Wille und seine Werte entstammen, gegen beides gleichgültig sein, oder sollten nicht vielmehr gerade sie in der letzten Wirklichkeit die ausschlaggebende Rolle spielen? Oder, religiös ausgedrückt: Sollten die' tiefsten Sehnsüchte unseres Willens bei solchem Sachverhalt nicht auf Erfüllung hoffen können, unsere Werte nicht Ewigkeitswerte darsteilen? Unsere im engeren Sinne sittlichen Werte kulminieren, Jwie dies in der Liebe deutlich hervortritt, in der gefühlsmäßig empfundenen Tatsache von der Einheit alles Bestehenden, und unsere Schaffens- 'fjwerte zielen auf eine Erhebung über die Wirklichkeit, die letzten Endes '.durch sie erreicht und durchgesetzt werden soll. Auf diesen Erwägungen